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Fehlbesetzungen

Neu an Bord

Axel vom Schemm
Wie Berater mit einem neuen Konzept dafür sorgen können, dass neue Führungskräfte besser integriert werden.
An BordFoto: Hufeisennase/Pixelio

Verpatzter Führungsstil

Seinen echten Namen möchte Jörg Schiefer* nicht in der Zeitung lesen – zu peinlich ist ihm die Geschichte des beruflichen Scheiterns. Verstehen kann der 38Jahre alte Verkaufsprofi, der für einen deutschen Mittelständler jahrelang erfolgreich Elektrogeräte vertrieben hat, die Gründe für seinen Karriereknick immer noch nicht.

Das Unglück nahm mit seinem Jobwechsel zu einem Konzern seinen Lauf. Denn es zeigte sich, dass der 38-Jährige zwar ein Top-Verkäufer war, aber große Defizite in der Kommunikation mit den Kollegen hatte, deren Vorgesetzter er nun war. Vom Vorstand hatte im Bewerbungsverfahren darauf niemand geachtet, es zählten nur Schiefers Zahlen. Wo seit Jahren ein integrativer Umgang zwischen Abteilungsleiter und Angestellten üblich war, fühlten sich nun viele durch die autoritäre Ansprache des neuen Chefs verprellt und boykottierten die Zusammenarbeit.

Die besten Jobs von allen


Einige Vertriebsmitarbeiter kündigten sogar – und nahmen Kunden mit. Nach vier Monaten zog der Aufsichtsrat die Reißleine, und der junge Vertriebschef musste gehen. Dessen Annahme, dass gerade bei einem Schwergewicht der Branche ein straffer Führungsstil von ihm erwartet werde, erwies sich als kostspieliger Irrtum.

Karriereknick mit Ansage

Der Firma entstand durch die Fehlbesetzung ein Schaden von rund 400 000 Euro. Solche Geschichten sind kein Einzelfall, weiß Wolfgang Walter, Partner bei der Personalberatung Heidrick & Struggles: „Zwischen 30 und 45 Prozent der in Deutschland neu eingestellten Manager verlassen das Unternehmen innerhalb der ersten 18 Monate.“

Die jüngste Ausgabe der „Global CEO Succession“ von Booz & Company sieht das Stühlerücken in den deutschen Vorstandsetagen gar auf einem historischen Hoch. Und meist sind es psychologische Aspekte wie nicht zueinander passende Erwartungen, die zur Trennung führen.

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