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Banken

Nachwuchs gesucht

Frank Burger
Die Finanzkrise hat Banken und Versicherungen zwar durchgerüttelt, dennoch stellen sie kräftig Hochschulabsolventen ein.
Banken und Versicherungen bieten JobchancenFoto: © mersa - Fotolia.com
Wer vor dem Sprung von der Hochschule ins Berufsleben steht und überlegt, wo er sein Glück suchen soll, sollte zwischen dem Ruf einer Branche und den Bedingungen, die dort tatsächlich herrschen, unterscheiden können. Denn oft gilt: Totgesagte leben länger. Und manche sind sogar quicklebendig.So mag zwar der Schluss nahe liegen, dass Banken und Versicherungen in den vergangenen zwei Jahren nicht nur ihr Image ramponiert haben, sondern dass die Unternehmen durch die globale Krise unter substanziellen Problemen leiden. Und sich um viele andere Dinge kümmern als darum, Nachwuchs zu rekrutieren. Doch das ist falsch.

Die besten Jobs von allen

Gute JobchancenDie Unternehmen, von der Deutschen Bank bis zur Zurich-Versicherungsgruppe, sind überwiegend mit ihrer Geschäftsentwicklung zufrieden. Sie stellen ein, und die Jobchancen für Universitätsabsolventen, so der einhellige Tenor der Branche, stehen derzeit sehr gut. In der Versicherungswirtschaft setzt sich damit ein Trend fort: Trotz der Finanzkrise ist deren Akademikeranteil von 16,2 Prozent im Jahr 2005 auf 17,8 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. „Und die Versicherungsunternehmen wollen diesen Anteil in den kommenden Jahren noch beträchtlich erhöhen – vor allem durch die Einstellung weiterer frischgebackener Akademiker“, sagt Michael Gold. Er ist Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV).Bei den Banken dagegen gab es im Zuge der Krise durchaus einen Einbruch bei den Neueinstellungen, aber „spätestens seit diesem Sommer hat die Nachfrage nach Absolventen wieder stark angezogen“, sagt Karin Reuschenbach-Coutinho. Sie ist Leiterin des Career Centre der Frankfurt School of Finance & Management. Denn viele Geldinstitute hätten erkannt, so die Expertin, dass es ein Fehler wäre, in schwierigen Zeiten das Recruiting zu stoppen. Wer erst in einer Boom-Phase einsteigt, wenn ohnehin alle Wettbewerber um hochqualifizierten Nachwuchs buhlen, hat es schwer.Nicht nur die Noten zählenDas heißt nicht, dass die Banken derzeit jeden Bewerber mit Kusshand nehmen. Laut Reuschenbach-Coutinho suchen sie weiterhin vorrangig „die absoluten Top-Leute“. Das heißt, in puncto Abschlussnote sollten die Bewerber zu den besten zehn Prozent gehören. Außerdem sollten sie einschlägige Praxis- und Auslandserfahrung sowie gute Englischkenntnisse mitbringen. Doch Reuschenbach-Coutinho macht auch denen Hoffnung, die nicht zu diesen Spitzenabsolventen gehören: „Wenn sich der Markt jedoch weiter so entwickelt, stellen die Banken auch wieder Bewerber ein, die mehr durch einen guten theoretischen Hintergrund oder praktische Erfahrungen herausragen.“

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