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Karriere-Atlas 2008

München, Jena, Berlin: Die Top-Regionen in Deutschland

Sara Kammler
Der Karriere-Atlas 2008 stellt Deutschlands Top-Regionen für junge Fach- und Führungskräfte vor. Internationalität, attraktive Arbeitgeber und hohe Lebensqualität geben den Ausschlag.
München: Die Top-Region in DeutschlandFoto: © Jan Thomas Otte - Fotolia.com
Haben Sie sich schon einmal überlegt, nach Jena zu ziehen, um dort zu leben und zu arbeiten oder an einer der traditionsreichsten Unis Deutschlands zu studieren? Nein? Weil Sie dabei nur an DDR-Tristesse mit Plattenbauten und Schlaglöchern gedacht haben? An Arbeitslosigkeit? Sie sollten sich vom Gegenteil überzeugen (lassen). 18 Jahre nach der Wende sprießt das Mauerblümchen. Die Stadt an der Saale hat heute einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Hochqualifizierten und zukunftsträchtigen Arbeitsplätzen. Und kulturell wartet Jena längst nicht mehr nur mit Goethe und Schiller, die beide in der Stadt gelebt und gearbeitet haben, sowie dem ältesten Planetarium der Welt auf. Das Open-Air-Festival „Kulturarena“ und eine quirlige Kneipen-Szene mit Läden wie dem Café Stilbruch oder Bia’s Café machen Jena attraktiv. Jeder vierte Jenenser ist Student.Die Stadt in Thüringen ist der Überraschungssieger des Karriere-Atlasses. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos hat für Handelsblatt Junge Karriere untersucht, wie attraktiv die unterschiedlichen Regionen in Deutschland für junge Fach- und Führungskräfte sind. Deutschland ist dabei basierend auf den Anfahrtswegen von Berufspendlern in 150 Regionen unterteilt. Diese werden anhand von 25 Indikatoren untersucht. Neben der Beschäftigungsentwicklung und der Arbeitslosenquote der Fach- und Führungskräfte fließen Daten zu Kaufkraft, Chancengleichheit, Attraktivität der Arbeitgeber sowie Internationalität und Lebensqualität der Regionen in die Studie ein.

Die besten Jobs von allen

Denker und LenkerIm Mittelpunkt des Karriere-Atlasses stehen zwei Gruppen von Fach- und Führungskräften: die Denker und die Lenker. Die Denker sind Entwickler und Innovateure. Zu ihnen gehören die MINT-Berufe, die Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und die Techniker ebenso wie Ingenieure. Sie stoßen Innovationen an und entwickeln neue Produkte und Dienstleistungen. Die Lenker sind Manager und Geschäftsführer, Wirtschaftsprüfer, Berater und Juristen, Hochschullehrer oder gehören zum Spitzenpersonal aus Verbänden und Verwaltung. Sie sind es, die die Ideen der Denker aufgreifen und umsetzen.Jena belegt hinter München den zweiten Platz im Gesamtranking. In der gerade einmal 100.000 Einwohner zählenden Stadt ist die Anzahl an Fach- und Führungskräften sehr konzentriert. In keiner anderen Region haben Lenker einen höheren prozentualen Anteil an der Zahl der Beschäftigten. Zudem haben mehr als die Hälfte der Denker und fast 64 Prozent der Lenker gemessen an der Zahl aller Fach- und Führungskräfte in der Region keinen Uni-Abschluss. Frauen besetzen überdurchschnittlich viele Fach- und Führungskräftestellen. Jena nutzt sein Potenzial also optimal aus, um Stellen für Hochqualifizierte zu besetzen. Nichtsdestotrotz gibt es in Jena noch viele freie Stellen für Denker.Darüber hinaus hat die Universitätsstadt Jena ihre Studenten. Sie sind der hochqualifizierte Nachwuchs, der zu einem großen Teil an seinem Studienort bleibt. Und auch Unternehmensgründungen von Absolventen und Ausgründungen aus Forschungseinrichtungen (Institute von Fraunhofer-, Leibniz- und Max-Planck-Gesellschaft) tragen erheblich zum Wirtschaftswachstum bei. Mit Unternehmen wie Carl Zeiss und Jenoptik sowie Cybio und Analytik Jena liegt der Fokus auf optischer Industrie und Biotechnologie.Schlecht sieht es in Jena - und das ist typisch für Ostdeutschland - allerdings noch mit der Kaufkraft aus. Das verfügbare Einkommen beträgt nur 15.672 Euro pro Kopf und Jahr, der Bundesdurchschnitt liegt bei 18.055 Euro. Zudem ist der Anteil hochqualifizierter Migranten - und auch das ist typisch für Ostdeutschland - gering, der in der Prognos-Studie die Internationalität einer Region ausmacht.München liegt mit großem Vorsprung auf Platz eins des Gesamtrankings. Die bayrische Landeshauptstadt bietet die höchste Lebensqualität und in keiner anderen Region arbeiten mehr Denker und Lenker. Neben Jena und München stellt Handelsblatt Junge Karriere mit Berlin, Hamburg und Stuttgart die fünf besten Regionen ausführlich vor. Frankfurt am Main (Platz sechs) und Darmstadt (Platz neun) sind unter „Frankfurt/Rhein-Main“ zusammengefasst, und Köln/Bonn (Platz acht) firmiert mit Düsseldorf (Platz 13) als Region „Rheinland“. Mannheim liegt im Gesamtranking auf Platz zehn. Mit Ausnahme von Jena, dem Mauerblümchen, sind diese sieben Top-Regionen traditionell starke Kandidaten in Rankings; sie sind die sieben Etablierten.Aufsteiger BodenseekreisEinen Aufsteiger gibt es aber auch im Westen: den Bodenseekreis (Platz sieben). Seine zukunftsträchtige Branchenstruktur mit Luft- und Raumfahrtindustrie (EADS) und Automobil (ZF Friedrichshafen) macht ihn zu einem starken Technologie-Standort und zieht Denker an. Allerdings punktet der Bodenseekreis nicht bei Indikatoren wie Internationalität und Lebensqualität. „So attraktiv wie eine Großstadt ist dieser ländliche Raum für junge Leute nicht“, erklärt Peter Kaiser, Autor der Studie und Senior-Projektleiter bei Prognos. Aus diesem Grund hat Handelsblatt Junge Karriere diese eher ländliche Region links liegen lassen. Denn Städte erscheinen für Einsteiger spannender.

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