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Motivation zum Mitnehmen

Teil 2: Arbeitskultur mit "Mini-Starbucks-Feeling"

Aber dennoch gehe es darum, eine natürliche und soziale Umgebung sowie eine Arbeitskultur zu schaffen, in der sich die Mitarbeiter wohl fühlen. "In unserer Kaffeeküche herrscht ein Mini-Starbucks-Feeling", sagt sie. Neben kostenlosen Getränken, Zeitungen und Büchern bietet der Rückzugsraum auch die Möglichkeit für berufliche Gespräche.

Yahoo-Chefin Mayer hat schließlich nicht ganz unrecht, wenn sie sagt, dass die besten Entscheidungen häufig bei Diskussionen auf dem Flur oder in der Cafeteria getroffen werden. Der Mensch ist nun mal ein kommunikatives Wesen, das den Austausch mit anderen braucht. Deshalb gibt es auch kein Unternehmen, in dem die Mitarbeiter ausschließlich zuhause arbeiten und die Kollegen nie sehen. Je nach Projekt, an dem ein Angestellter arbeitet, gibt es fixe Termine, zu denen sich die Kollegen im Büro oder sonst irgendwo treffen, telefonieren oder Videokonferenzen abhalten. Ein Punkt, der auch Kugel sehr wichtig ist. Sie sagt: "Bei Meetings mit Kunden gilt Customer First, da sind die Leute natürlich im Büro."

Und auch sonst finden Besucher bei Osram in München keine verwaisten Gänge vor: "Die meisten Mitarbeiter bei Osram nutzen von Zeit zu Zeit Heimarbeit, aber keiner arbeitet ausschließlich von zuhause aus", sagt Kugel. Außerdem gebe es natürlich auch die Mitarbeiter, die die Abgrenzung von Büro und Privatem zuhause nicht schaffen. "Die kommen lieber ins Büro."

Einen faulen Lenz kann man sich überall machen

Eine Befürchtung, die viele Manager, Mayer offenbar inklusive haben, ist die, dass Mitarbeiter im Homeoffice träge werden oder dass ohne die Kontrolle durch Chef und Kollegen die Disziplin leidet. Statt der Präsentation, die für das Kundengespräch gemacht werden muss, könnte der Mitarbeiter lieber den Rasen mähen, einkaufen gehen oder in der Badewanne entspannen. Die Gefahr des Nichtstuns besteht aber auch im Büro. "Die Bewertung von Ergebnissen erfolgt auf der Basis von Zielvereinbarungen. Kein Manager wird deswegen hinter seinen Mitarbeitern stehen und schauen, ob sie private E-Mails schreiben", sagt Kugel.
 
Schließlich gehe es um Ergebnisse, nicht um Anwesenheitszeiten. Eine totale Ablehnung des Homeoffice ist deshalb sinnlos. "Wenn Führungskräfte das Gefühl haben, dass jemand nicht das leistet, was vereinbart ist, muss man sehen, an was das liegt. Das geschieht aber unabhängig davon, wo der Mitarbeiter arbeitet", bekräftigt die Personalerin.

Denn die grundsätzliche Leistungsbereitschaft kommt vom Mitarbeiter selbst, nicht vom Arbeitsumfeld. Führungskräfte können diese Leistungsbereitschaft durch entsprechendes Verhalten verstärken. So zeigt auch eine repräsentative Studie der Beratungsgesellschaft Hay Group unter 18.000 Deutschen, dass ein "kollegiales Umfeld" und "erfüllender Job" Menschen am meisten motivieren.

Und wenn flexible Arbeitszeitmodelle und flexible Arbeitsplätze die Motivation von Angestellten fördern, sollten Führungskräfte zumindest einmal darüber nachdenken. Kugel ist sich sicher, dass sich das Homeoffice für Arbeitnehmer und Arbeitgeber lohnt. Nach anderthalb Jahren gebe es zwar "noch keinen monetär messbaren Erfolg, aber spürbar mehr Motivation", freut sie sich. Sie bekomme sogar E-Mails von Kollegen, die sich für die Veränderungen bedanken.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 22.03.2013

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