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Diplomatie bei Konflikten
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Diplomatische Konfliktlösung

"Möge der Bessere gewinnen"

Interview: Kerstin Dämon, wiwo.de
Sanftheit und Wohlwollen statt Ellenbogen: Was Manager von Diplomaten lernen können, verrät die ehemalige Diplomatin Gerlinde Manz-Christ.
Sie plädieren für Sanftheit bei Verhandlungen. Die Erfahrung – und diverse Studien  lehren, dass die Netten und Hilfsbereiten im Business häufig die Dummen sind. Da scheint mir Sanftheit eher die falsche Strategie zu sein...

Diplomatisch zu sein, heißt nicht per se, 'nett und hilfsbereit' zu sein. Diplomatie ist die Kunst, nachhaltig Brücken zu bauen, und zwar genau dort, wo andere sagen: 'Das geht nicht'. Sie schafft Brücken zwischen unterschiedlichen Standpunkten, Ansichten und Kulturen. Es ist eine hohe Kunst, kreative, friedliche Lösungen zu finden. Die diplomatische Sprache ist eine Sprache, die verbindet, aber nicht ständig beschönigt. Das braucht Mut, den viele – leider – nicht haben. Wir haben eine gepflegte Streitkultur verlernt. Vieles ist nur mehr schwarz oder weiß. Diplomatie arbeitet jedoch mit Grautönen.

Wie streitet man mit jemandem, der nur in Schwarz oder Weiß denkt?

Für diplomatische Lösungen müssen beide Seiten prinzipiell eine Bereitschaft und ein Interesse an der Lösung haben. Wenn eine Seite mit einer ablehnenden Grundhaltung in Verhandlungen geht, ist Verhandeln sinnlos. Das schafft jedoch einen Nährboden für Missstimmung, Auseinandersetzungen und im schlimmsten Fall Krieg. Worum geht es wirklich, bei 'nett und hilfsbereit' zu sein? Es geht darum, dem anderen mit Respekt, auf Augenhöhe zu begegnen und mit Diplomatie ein für alle möglichst angenehmes Zusammenleben zu ermöglichen: Leben und leben lassen.

Lassen sich politische Konflikte überhaupt mit den Konflikten vergleichen, die innerhalb eines Unternehmens beziehungsweise zwischen Konkurrenten herrschen? Annektierung mit feindlicher Übernahme? TTIP mit Preisabsprachen?

Ob in der Politik oder im Unternehmen – letztlich geht es immer um Interessenskonflikte zwischen Menschen. Hier spielen menschliche Bedürfnisse nach Macht, Anerkennung, Geld oder die Kompensation von Komplexen und Traumata eine große Rolle. Kein Konflikt ist rein sachlich bedingt. Deshalb ist es so wichtig, Konflikte in ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität wahrzunehmen und entsprechend zu agieren.

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