Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Handel- und Konsumgüterbranche

Mobilität ist alles

Nils Hille
Wer in der Handels- und Konsumgüterbranche Karriere machen will, hat derzeit gute Chancen. Es wird händeringend Nachwuchs gesucht, auch für Führungspositionen. Ausgewählt wird allerdings nach einem ganz bestimmten Kriterium.
Wohin auch immer: Wer nicht wählerisch ist, hat bessere KarrierechancenFoto: © Daniel Etzold - Fotolia.com
Mit Maracujas vor der italienische Flagge und der auf italienisch formulierten Botschaft: „Eine Arbeit mit Leidenschaft? Willkommen bei Lidl!“ – so wirbt der deutsche Lebensmittel-Discounter bei der jüngsten Generation hiesiger Hochschulabsolventen für seine freien Verkaufsleiter-Positionen in Südeuropa.Der Konsumgüterkonzern Mars erwartet dagegen gleich globale Einsatzbereitschaft deutscher Bewerber. Er präsentiert dem Nachwuchs einen Erdball aus Knetgummi und fordert auf Englisch dazu auf, „die Welt zu entdecken, die von Menschen geformt wird“.

Die besten Jobs von allen

Wer sich für Berufseinstieg und Karriere in der Handels- und Konsumgüterbranche interessiert, hat derzeit beste Beschäftigungschancen – wenn er eines mitbringt: Die Bereitschaft zu Auslandseinsätzen.Denn „Unternehmen erzielen ihr Wachstum vor allem im Ausland und haben dafür einen stetig hohen Personalbedarf“, beobachtet zum Beispiel Tim Rau. Er ist Geschäftsführer der auf die Konsumgüterbranche spezialisierten Personalberatung Rau Consultants aus Wörthsee bei München.Dass die Zeichen auf Wachstum stehen, belegen auch die Ergebnisse einer Kienbaum-Umfrage unter Vorständen und Geschäftsführern von 500 Unternehmen der Konsumgüterbranche zu den Aussichten in 2011. Demzufolge erwarten fast 70 Prozent der Hersteller ein Umsatzwachstum. Um den eigenen Marktanteil zu steigern, wollen 70 Prozent der Befragten in neue Produkte investieren, jedes zweite Unternehmen in den Vertrieb und in gezielte Marketingaktionen Geld stecken. Dafür suchen die Konsumgüterproduzenten auch verstärkt Mitarbeiter: Fast die Hälfte der Befragten plant zusätzliche Einstellungen im Vertrieb, 30 Prozent im Marketing.Zusätzliches Jobpotenzial bieten aber auch die großen, meist unbekannten Zulieferer wie die Produzenten von Nahrungsmitteltzutaten Cargill oder Südzucker. Diese nehmen den Herstellern von Endprodukten - ähnlich wie in der Autoindustrie – immer mehr Entwicklungsarbeit ab.Handel sucht verstärkt AkademikerVakante Stellen im Handel finden sich dagegen vor allem im Einkauf, in der Markterschließung, in der Vertriebssteuerung und bei der Mitarbeiterqualifizierung an ausländischen Standorten. Bislang sind laut Handelsverband Deutschland (HDE) erst rund sechs Prozent der im Handel Beschäftigten Akademiker. Das soll sich ändern. Mit der zunehmenden Internationalisierung steigen auch die Qualifikationsanforderungen an Newcomer. „Gesucht werden vor allem Betriebswirtschaftler, Juristen, Logistikexperten und Wirtschaftsinformatiker“, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.Neben dem entsprechenden Abschluss werden internationale und interkulturelle Kompetenzen aber nicht nur von Bewerbern erwartet, sondern auch zunehmend vom Arbeitgeber gefördert. Wie das konkret aussieht, zeigt das Beispiel des Tierfutterherstellers Mars Petcare Deutschland. Hier sind die Anforderungen an Trainees, die ein Jahresgehalt zwischen 42 000 und 49 000 Euro bekommen, klar definiert: „Abgeschlossenes Hochschulstudium, relevante Praktika, interkulturelle Kompetenz und sehr gute Fremdsprachenkenntnisse – zumindest ein sehr gutes Englisch“, zählt Personaldirektorin Sigrid Lenk-Kubelka auf.Das ungewöhnlich lange, dreijährige Traineeprogramm des Unternehmens, bei dem die Teilnehmer jeweils in drei oder vier verschiedenen Bereichen an zwei bis drei Standorten mitarbeiten, zielt auf eine internationale Karriere im Konzern ab. Lenk-Kubelka: „Wir wollen Talente entwickeln, um sie dann in die gesamte Organisation zu exportieren.“Egal ob Handel oder Konsumgüter – Berufseinsteiger müssen sich also flexibel zeigen. „Das K.O.-Kriterium Nummer eins für einen Bewerber ist die mangelnde Mobilität“, sagt Personalberater Tim Rau. Bei ihren ersten Berufsschritten sollten ambitionierte Bewerber also eher auf eine gute Position achten und nicht so sehr auf einen zentralen Arbeitsort. Denn der ändert sich inzwischen öfter als noch vor einigen Jahren: Wer zunächst vielleicht einen unattraktiven Standort auf der grünen Wiese akzeptiert und dort gute Arbeit leistet, hat schnell vielfältige Aufstiegschancen und dann erneut die Wahl.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.12.2010

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick