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Mobil sein ohne eigenes Auto

Katja Stricker
3000 Euro kostet ein PKW im Jahr, selbst wenn er nur rumsteht. Mobil sein kann man auch günstiger. Eine Alternative ist Carsharing. Mittlerweile verzichten viele Großstädter bewusst auf ein eigenes Auto. Der Hauptgrund sind die Kosten.
Eine alternative zum Auto: Die BahnFoto: © PR
Spontan fällt Saskia Spada nur eine konkrete Situation ein, in der sie sich ein eigenes Auto gewünscht hätte. "Da stand ich mit einigen wirklich großen Paketen vor Ikea", sagt die 30-Jährige. Die hat sie sich dann von dem Möbelhaus nach Hause liefern lassen. Das war zwar nicht ganz billig, "aber immer noch wesentlich günstiger, als sich ein eigenes Auto vor die Tür zu stellen".Mobil sein ohne eigenes Auto - bei Saskia Spada klappt das. Die Betriebswirtin, die als Assistentin der Geschäftsführung in einem kleinen Verlag arbeitet, wohnt in Düsseldorf, nur wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. "Für mich ist es ein echter Luxus, ohne Auto zu leben", sagt sie. Kein Stress im Stau, im Stadtverkehr oder bei der Parkplatzsuche, keine bösen Überraschungen bei der Inspektion, keine teuren Reparaturen.

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Viele Großstädter und Wenigfahrer denken mittlerweile wie Saskia Spada - und verzichten bewusst auf ein eigenes Auto. Der Hauptgrund sind die Kosten. "Wer weniger als 10000 Kilometer im Jahr mit dem Auto fährt, sollte sich gut überlegen, ob er nicht ganz darauf verzichten kann", sagt Björn Rickert, Experte für Umweltfragen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn gerade bei Wenigfahrern machen die Fixkosten einen großen Teil der Gesamtausgaben aus. Dazu zählen Anschaffung, Wertverlust, KFZ-Steuer, Versicherungen, Ersatz von Verschleißteilen und Reparaturen.Ein eigenes Auto ist eine teure AngelegenheitLaut ADAC kosten beispielsweise ein Ford Fiesta oder ein Renault Twingo rund 3000 Euro im Jahr, Benzin und Öl nicht eingerechnet. Ein VW Beetle bringt es auf fast 4000 Euro und ein BMW Roadster auf 5000 Euro. Und das, ohne auch nur einen Kilometer zurückgelegt zu haben. Hinzu kommen mögliche Zinsen für den Kaufkredit, Kosten für den Parkplatz oder die Garage sowie Pflege und Wartung.Eine günstigere Alternative bieten zum Beispiel Carsharing-Betreiber. Rund 116000 Deutsche teilen sich aktuell ihren fahrbaren Untersatz, gut 22 Prozent mehr als vor einem Jahr. Bundesweit stehen den Kunden an 1600 Stationen rund 3000 Fahrzeuge zur Verfügung, vor allem in den großen Ballungsräumen wie Ruhr- und Rhein-Main-Gebiet oder in den Städten Stuttgart, Berlin und München.Unter 10000 Kilometer im Jahr lohnt sich ein eigenes Auto nichtEin großer Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Mietwagen: Die Autos lassen sich für kurze Zeiträume ausleihen, für zwei oder drei Stunden, um etwa den Großeinkauf zu erledigen. Die Abwicklung ist einfach: Über das Internet oder per Telefon können Nutzer ein Fahrzeug reservieren, es an einer der Stationen innerhalb der Stadt abholen und dann losfahren. Geöffnet wird das Teil-Auto meist mit einer Chipkarte und einer Geheimzahl. Abholung und Rückgabe sind rund um die Uhr möglich.Nancy Lipp macht das ein-, zweimal pro Woche und ist zufrieden. "Das ist fast so, als hätten wir ein eigenes Auto", sagt sie. Die 30-Jährige hat Glück, denn die nächste Carsharing-Station des Anbieters Stadtmobil Rhein-Main liegt nur wenige Minuten von ihrer Wohnung im Frankfurter Stadtteil Bornheim entfernt. Seit mehr als fünf Jahren schon nutzen die zweifache Mutter und ihre Familie das Angebot, meist für größere Einkäufe oder "um Freunde außerhalb Frankfurts zu besuchen - meine beste Freundin wohnt beispielweise im Taunus". Innerhalb der Stadt ist sie vor allem mit der U-Bahn unterwegs. "Alle paar Minuten fährt gleich um die Ecke eine Linie direkt in die City. So schnell wäre ich mit dem Auto nie."Besonders gut gefällt Lipp die Modellvielfalt. Normalerweise wählt sie aus Kostengründen immer das kleinste Modell, vor kurzem aber hat sie ein Café eröffnet, und in den Wochen vor der Eröffnung musste die Existenzgründerin Waren und Möbel transportieren oder Materialien für die Renovierung aus dem Baumarkt holen. "Da war ich froh, auch mal auf einen Kombi oder sogar Mini-Transporter zurückgreifen zu können - das ist doch echter Luxus", sagt sie.

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