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Wie aus Arbeitnehmern flexible Manövriermasse wird
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Zeitverträge

Mitarbeiter als flexible Manövriermasse

Kerstin Dämon, wiwo.de
Befristete Arbeitsverträge gibt es nicht nur am Fließband oder im Saisongeschäft bei Amazon. In Behörden, Universitäten, großen Unternehmen und kleinen Klitschen – überall arbeiten Menschen mit Zeitverträgen. Für die Unternehmen ist das ein Bombengeschäft.
Von befristeten Arbeitsverhältnissen hört man oft bei Entlassungsrunden großer Unternehmen. So hieß es beispielsweise im Dezember, dass der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS 5.800 Stellen streichen wolle. Darin seien auch 1.300 Zeitverträge enthalten, die nicht verlängert würden.

Für EADS ist es nämlich einfacher, 1.300 ohnehin nur auf ein oder zwei Jahre befristeten Arbeitsvertrag einfach nicht zu verlängern, als 1.300 Angestellte mit regulärem Vertrag zu entlassen. Der Fall der Angestellten mit den befristeten Verträgen bedarf nicht einmal einer Begründung, der der Beschäftigten mit Vertrag kann arbeitsrechtlich einiges nach sich ziehen. Das ist teuer, langwierig und unangenehm.

Gewinner: der Arbeitgeber

Die Beschäftigung über Zeitverträge ist von Branche zu Branche unterschiedlich: So betrug die Befristungsquote der 25- bis 29-jährigen Akademiker bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern 7,0 Prozent, im verarbeitenden Gewerbe lag sie bei 11,4 Prozent und in der öffentlichen Verwaltung bei 29,2 Prozent.

Grundsätzlich nutzen Zeitverträge dem Arbeitgeber, nicht dem Arbeitnehmer. Zwar heißt es – beispielsweise seitens der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) – dass befristete Verträge dafür sorgen, dass Arbeitnehmer flexibel bleiben. 

Verlierer: der Arbeitnehmer

Wirklich flexibel ist damit aber nur das Unternehmen, dass durch die Zeitverträge die Probezeit auf ein, zwei oder drei Jahre verlängern kann. Auch die Gewerkschaft ver.di spricht von einer verlängerten Probezeit, die die Angestellten zu einer flexiblen Manövriermasse für das Unternehmen werden lassen.

Gegenüber Zeit Online bestätigt Onno Dannenberg von ver.di bereits im Juni 2013: "Für Arbeitnehmer gibt’s keine Vorteile". Die Arbeitgeber sind es, die profitieren.

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