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Vom Hockeyfeld in den Hörsaal: Viele Sportler müssen nach der Profilaufbahn eine neue Berufung finden.
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Mit Weltmeistern in der Vorlesung

Teil 2: Spitzensportler als Anreiz – auch für Sportmuffel

Die WHU will durch die ungewöhnliche Kooperation ihr Profil schärfen und an Attraktivität gewinnen. Je mehr Spitzensportler sie gewinnt, desto besser kann sie damit werben – auch unter Sportmuffeln. Die bekommen an der WHU die Gelegenheit, mit Topathleten wie Schwimmweltmeister Benjamin Starke, Fechtweltmeister Nicolas Limbach oder Ruderweltmeister Hagen Rothe in einem Seminar zu sitzen – und von deren Erfahrungen zu lernen.

Aber auch fachlich sind die Sportler ein Gewinn für die WHU. Sascha Schmidt veröffentlichte vor ein paar Jahren die Studie "Kollege Spitzensportler", für die er insgesamt 1006 Topathleten befragte. Er wollte wissen, welche Eigenschaften und Fähigkeiten von Spitzensportlern auch im späteren Berufsleben von Nutzen sind. Die Untersuchung bestätigte seine guten Erfahrungen.

Sportler punkten bei den Soft Skills

Athleten mögen fachliche Defizite haben, machen sie aber durch persönliche Stärken wieder wett. Schmidt resümierte in seiner Studie, dass sich immerhin jeder dritte Sportler zumindest theoretisch für eine Führungsposition im Unternehmen eignet. Denn die Befragten waren aufgrund ihrer Erfahrung in Stadien und Schwimmbecken nicht nur dominant und durchsetzungsfähig, sondern auch selbstbewusst und sozial. Eigenschaften, die auch bei der Arbeit in einem Unternehmen von Vorteil sind. Außerdem sind Spitzensportler fleißig. Fast zehn Prozent erreichten bei ihrem Schulabschluss einen Notendurchschnitt von 1,5; weitere 20 Prozent ergatterten im schlechtesten Fall eine 2,0 – trotz Doppelbelastung.

In anderen Bereichen haben Profisportler allerdings noch Nachholbedarf. Der Sport sorgt zum Beispiel dafür, dass die Athleten ihr Leben in einer sprichwörtlichen Blase verbringen. "Wenn man sich nur mit anderen Sportlern austauscht", sagt Hoffmann, "bekommt man nicht mit, was im echten Berufsleben passiert."

Während ihre ehemaligen Mitschüler Erfahrungen in Ausbildungen oder Praktika sammelten, stand Hoffmann auf dem Hockeyfeld. Statt auf PowerPoint-Präsentationen, Excel-Tabellen oder Kundengespräche konzentrierte sie sich auf ihren Trainingsplan, das nächste Spiel, die nächste Meisterschaft. Das bestätigt auch die Studie von WHU-Professor Schmidt: Gerade einmal 22 Prozent der Befragten konnten Berufsqualifizierungen außerhalb des Sports aufweisen.

Antriebsfeder Ehrgeiz

An der Universität trifft Hoffmann nun auf Studenten, die teilweise schon seit mehreren Jahren in der freien Wirtschaft arbeiten. Aber immerhin gibt es dort einen gesunden Wettbewerbsgeist: "Innerhalb des Studiengangs pushen sich alle gegenseitig, um Bestleistungen zu erbringen."

Trotz der Dreifachbelastung ist Hoffmann ständig auf der Suche nach weiteren Herausforderungen. Eine Eigenschaft, die sie ebenfalls aus ihrer Hockeykarriere mitgenommen hat. Aktuell setzt sie sich zum Beispiel ehrenamtlich dafür ein, dass ihr Arbeitgeber KPMG künftig ein speziell auf Sportler zugeschnittes Praktikumsprogramm anbietet.

Derzeit ist sie erst einmal zufrieden mit ihrem Job als Beraterin. Und auch die Sportkarriere will sie noch ein bis zwei Jahre vorantreiben. Was danach kommt? Unklar. Aber eines weiß sie jetzt schon: Sportlichen Ehrgeiz wird sie auch in ihrer zweiten Karriere beweisen.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 22.12.2017

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