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Erfolgreiche Familienunternehmen: Mit Mama ein Unternehmen gründen
Erfolgreiche Familienunternehmen: Mit Mama ein Unternehmen gründenFoto: Iurii Sokolov/Fotolia.com
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Mit Mama ein Unternehmen gründen

Teil 4: Kontakte plus Know-how: Gabriele Dallmann und Tochter Henriette Frädrich

Henriette Frädrich fand die Idee "sexy", sich mit einer Internet-Firma selbstständig zu machen. Doch der Medienwirtin, die bei RTL als Redakteurin arbeitete, fehlte die zündende Idee. Als ihre Mutter Gabriele Dallmann, Beraterin und zuvor Fachgebietsleiterin für die Zulassung von Arzneimitteln am Paul-Ehrlich-Institut, ihr erzählte, wie oft sie von Pharma-Unternehmen gefragt würde, ob sie nicht kompetente Dienstleister rund um die Medikamenten-Entwicklung empfehlen könne, sah die damals 28-Jährige ihre Chance. "Meine Mutter meinte, es könne doch nicht sein, dass es solch ein Matching-Angebot wie für private Paare im Geschäftsbereich noch nicht gibt. Da sagten wir uns: 'Dann machen wir beide das doch. Wir werden das Parship für die Pharma-Branche!'", erzählt Henriette vom Ursprung ihres Gründungsplans.

Zeit der Hoffnung

"Unternehmertum liegt uns zwar nicht im Blut", ergänzt ihre Mutter, promovierte Biologin und frühere Bundesbeamtin. Aber beide vertrauen auf ihre Stärken. Schnell merken Mutter und Tochter, dass sich das Marketing- und Internet-Know-how der Jüngeren bestens mit der Pharma-Expertise und dem großen Kontaktnetz der Älteren ergänzt. Im Sommer 2009 starteten sie ihre Online-Vermittlung pharmatching.com. Erst nebenbei, dann in Vollzeit arbeiteten die Chefinnen an ihrem Projekt – die eine im  Gründerzentrum in Freiburg, die andere im Heimbüro in Köln. Der Aufbau-Prozess war eine Zeit voller Hoffnungen – die Marke war geschaffen, ihre Kundendatei wuchs.

Erste Ernüchterung

Beide haben großes Vertrauen ineinander – bauten aber trotzdem vor: "Wir haben abgesprochen, wie wir miteinander umgehen wollen, damit es nicht wegen geschäftlicher Konflikte zu einem privaten Zerwürfnis kommt", sagt Gabriele. "Keine Vorwurfshaltung", lautet das oberste Gebot. Und sollte eine Klärung zu zweit nicht möglich sein, wollen sie einen neutralen Schlichter hinzuziehen. Weise Entscheidung, denn die Krise kommt – zwei Jahre nach der Gründung. Und zwar mit der Erkenntnis: "Die Welt hat nicht auf uns gewartet."

Sie krempeln ihr Portal um. Rund 100 000 Euro kostete allein die erste Programmierung, weitere Investitionen werden fällig. Das geht an die Substanz, doch das Mutter-Tochter-Gespann steht es durch. "Wir sind nicht leichtsinnig, sondern glauben daran, dass es immer eine Lösung gibt", sagt Mutter Gabriele. Sechs Jahre nach der ersten Idee sehen sich die beiden nun erneut vor einer wichtigen Entscheidung: Damit pharmatching.com weltweit wächst, brauchen sie einen weiteren Investor. Alternativ würden die Gründerinnen ihr Online-Portal auch verkaufen.

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