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Ruhestand?

Mit echter Handarbeit zu neuen Trends

Tanja Könemann
In seiner Firma beschäftigt Manfred Schmidt Kräfte, deren Arbeit bei Unternehmern sonst eher selten gefragt ist: Seniorinnen. Und was machen sie dort? Häkeln und Stricken. Anstatt den Ruhenstand zu genießen kreieren sie bei ihm die neuen Trends.
Manfred Schmidt setzt mit Handarbeit einen Insider-TrendFoto: © Andy Ridder
Verständnis, vielleicht sogar Mitleid, das ist die Masche von Manfred Schmidt. Seit mehr als einem halbem Jahr liegt die Zukunft des 35-Jährigen in den Händen der Generation 50plus, denn für seine Firma Oma Schmidts Masche hat er seinen Job als Architekt an den Nagel gehängt. Jetzt verkauft er kuriose Handarbeiten, die von Seniorinnen hergestellt werden. Selbst die Leitung seines Ladens obliegt einer älteren Dame. Mit diesen Aufgaben will er seinen Mitarbeiterinnen das Gefühl geben, sie werden gebraucht und setzt darauf, dass die Menschen diese Idee unterstützen.Das Unternehmen geht auf Schmidts Großmutter Theresia zurück. Die heute 80-Jährige griff vor ein paar Jahren zu Nadel und Faden. Die Würzburgerin kleidete Puppen in Selbstgestricktes und häkelte kleine Täschchen, die sie dann ihrem Enkel nach Stuttgart schickte. Irgendwann steckte ihr Enkel ein Handy hinein - und die Idee zu Oma Schmidts Masche entstand. Im Sommer 2006 eröffnete der gleichnamige Shop im Internet. Dort gibt es laut Schmidt inzwischen alles zu kaufen, was man Häkeln oder Stricken kann: sogar einen handgefertigten Woll-Cheeseburger.

Die besten Jobs von allen

Fast jedes Produkt wird angefertigtDie Preise für die Wollwaren liegen zwischen zwei Euro für kleine Blumen-Aufnäher und 1 600 Euro für einen mit Silbermetallic-Garn umhäkelten Totenschädel aus Kunststoff. Bislang habe sich noch keine seiner Mitarbeiterinnen geweigert, eine Handarbeit zu erledigen, sagt Schmidt. Einmal habe er allerdings einen Trick anwenden müssen: Als ein Kunde einen "Schniedelwärmer" verlangte, erzählte er seiner Großmutter, es sei ein Bananentäschchen.Als Schmidt hinterher mit der Wahrheit herausrückte, schimpfte sie nicht - im Gegenteil: Oma Theresia musste herzlich lachen. Mittlerweile ist aus der spaßigen Nebentätigkeit ein Geschäft geworden, mit dem Inhaber Schmidt seinen Lebensunterhalt bestreitet. Im Dezember 2007 eröffnete die Mascherie in der Stuttgarter Innenstadt. Das Startkapital musste er selbst aufbringen - die Banken glaubten nicht, dass man mit dieser Masche Geld verdienen kann.

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