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Schenke

Mit der Abwrackprämie spielen

Tanja Könemann
Ein Spiel zur Abwrackprämie bewahrte den Allgäuer Zulieferer Schenke vor der Pleite. Obwohl sich die Auftragslage seit einem Jahr kaum gebessert hat, konnte die Firma die Flaute überbrücken. Bei Schenke setzt man auf Erfindergeist - und das Weihnachtsgeschäft.
Wer sammelt die meisten Neuwagen?Foto: © PR
Rüdiger Schenke ist neu im Spielegeschäft. Normalerweise arbeiten der 43-Jährige und seine zehn Mitarbeiter im Auftrag von Automobilzulieferern. In Haldenwang im Allgäu stellen sie Greifer für die Fertigung von Motoren her und produzieren patentgeschützte Spannsysteme. Dann aber, im vergangenen November war es, brachen dem Betrieb 80 Prozent der Aufträge weg. Die Schenke CS GmbH stand kurz vor der Pleite.Eine Radiosendung brachte Rüdiger Schenke auf den rettenden Gedanken: "Ich hörte, dass die Spielebranche noch wächst", sagt der studierte Physiker und Mathematiker. "Dann suchte ich nach einem positiven Begriff. Die Abwrackprämie war damals gerade verlängert worden, jeder sprach darüber."

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Schenke erfand das Abwrackspiel, das dem bekannten "Mensch ärgere dich nicht" ähnelt. Nach dem Motto "Geld scheffeln, rauswerfen, abzocken, abwracken" gewinnt der Spieler, der am Schluss die meisten Neuwagen eingesammelt hat. Teile des Zubehörs, wie die daumennagelgroßen Aluminium-Neuwagen, fertigt das Unternehmen selbst, die Altautos, das Spielbrett und die Verpackung bezieht Schenke von Betrieben aus der Region. Um es zu verkaufen, stellte er die Seite www.abwrackpraemie-spiel.de ins Netz. Ein Exemplar kostet 34 Euro, Versand inklusive.Joachim Geyer-Rupp, der Technische Leiter der Firma, war zunächst skeptisch. "Ich dachte zuerst, das ist so gar nicht unser Metier." Mittlerweile ist er froh, denn seit dem Einbruch vor knapp einem Jahr hat sich die Auftragslage nicht verbessert. Dank des Spiels konnte der Betrieb die Flaute überbrücken, und der 33-Jährige überwacht jetzt die Herstellung und kümmert sich um den Versand.7000 Spiele hat Schenke bereits verkauft. Im Herbst sollen weitere hinzukommen, der Firmenchef hofft auf das Weihnachtsgeschäft, trotz der Anfang September abgelaufenen Abwrackprämie. Joachim Geyer-Rupp will auch in Zukunft auf den Erfindergeist seines Chefs vertrauen. "Rüdiger Schenke hat sehr viele Ideen. Bislang kam ihm immer der richtige Einfall zur richtigen Zeit." Und offenbar steht dem Unternehmer wieder der Sinn nach etwas Neuem: Zu seinen acht Patenten könne bald ein neuntes hinzukommen, sagt er. Tanja Könemann .Beim Abwrackspiel ringen die Teilnehmer um teure Neuwagen und viel Geld.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.11.2009

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