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Kraft der Sonne

Mit dem Solartaxi auf Weltreise

Christoph Wöhrle
Thomas Gottschalk aus Berlin reist mit dem Solartaxi um die Welt. Angetrieben durch Sonnenenergie ist die Reise auch ein Statement gegen den Klimawandel und für regenerative Energien.
Thomas Gottschalk: mit dem Solartaxi rund um die WeltFoto: © PR
Wenn einer schon Thomas Gottschalk heißt, dann ist alles über ihn gesagt, möchte man meinen. Nicht so bei Thomas Gottschalk, 24, aus Berlin. Er ist groß und blond, ja. Aber statt seichtem Humor pflegt er eine andere Passion: Er will die Welt retten. Während einer Weltreise klärt Gottschalk Menschen aus aller Herren Länder über den Klimawandel und über alternative Energien auf."Ich will Verantwortung übernehmen, indem ich die Menschen sensibilisiere und ihnen Lösungen vorstelle", sagt Gottschalk, der an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin Umwelttechnik mit Spezialisierung auf regenerative Energien studiert.
Vor einem Jahr lernte er bei einem Vortrag Louis Palmer kennen. Der 35-jährige Schweizer ist der Erfinder des Solartaxis, einem himmelblauen Dreirad mit Anhänger, auf dem Solarzellen angebracht sind.

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Zusammen mit Schweizer Universitäten hat Palmer, eigentlich Lehrer von Beruf, das Solartaxi in den vergangenen drei Jahren entwickelt und gebaut. "Von der Idee, mit diesem Ding die Welt zu bereisen, war ich von Anfang an begeistert", schwärmt Gottschalk. Er kommt mit Palmer ins Gespräch - und darf als technischer Begleiter anheuern.Am 3. Juli geht es in Berlin los. Das Vorhaben: Einmal um die Welt in 16 Monaten, 50 000 km, 50 Länder, 400 Städte. Palmer fährt das Solartaxi, Gottschalk einen Begleitbus, der mit allerlei technischen Geräten für die wissenschaftliche Aufarbeitung der Reise ausgestattet ist. Sechs Sitzplätze sind frei, auf denen unterwegs jeder mitfahren darf, egal ob Tramper oder Geschäftsmann. An Bord sind zudem Laptops, Beamer und jede Menge Infomaterial. "Das Solartaxi ist der Türöffner, um mit Politikern, VIPs und Normalos über den Klimawandel zu sprechen", sagt Gottschalk.In Budapest holte er sich den obligatorischen ersten Sonnenbrand. Nicht etwa beim Sonnenbaden, sondern auf der Autofahrt. "Wir hatten uns entschlossen, bei 37 Grad im Schatten die Fenster zu öffnen und so der lokalen Klimaerwärmung entgegenzuwirken." Das Team hat die ersten Mitfahrer und hält natürlich oft Vorträge, auch die Presse ist sehr interessiert.Der Trip schärft Gottschalks Blick für unsinnigen CO2-Ausstoß. Einmal beobachtet er am Donauufer, wie schnell die Motorboote an ihm vorbeibrausen, und er hätte gute Lust, mitzufahren. "Dann setzte gleich der Verstand ein und wies mich darauf hin, was das doch für eine riesige Umweltverschmutzung ist", sagt Gottschalk. Und: "Bewusst leben kann ganz schön ätzend sein."Die Reise führt über Rumänien und Serbien. In Belgrad versucht sich Gottschalk im Wakeborden. Nach zwei Minuten auf dem Brett schlägt es auf seiner Schläfe auf. Ein acht Zentimeter langer Schnitt muss im Krankenhaus genäht werden. Es ist ein Krankenhaus für sozial Schwache. "Dort kam ich mir zwischen den anderen Leidenden ziemlich albern vor." Eine tote Frau wird an Gottschalk vorbeigeschoben.Die Tour geht weiter - das Ziel heißt Istanbul. Die Türken sind begeistert vom Solartaxi. Die beiden Weltverbesserer geben Pressekonferenzen, werden in die Technische Universität eingeladen. Eigentlich sollte Gottschalks Freundin später zu ihm stoßen und ihn eine Weile begleiten. Doch sie kommt nicht, trennt sich nach zwei Jahren Beziehung. Vielleicht hat er nicht an so etwas gedacht, wenn er sagt, für das Ziel einer ökologischeren Welt sei er bereit, vieles zu opfern.Über Ankara geht es an die Grenze zu Syrien. Gottschalk schreibt auch an seiner Diplomarbeit, die auf der Reise entstehen soll und sie zum Inhalt hat. Das Thema: zukünftige Mobilität. Es geht weiter nach Syrien und in den Libanon, wo das Team oft mit Polizeischutz unterwegs ist und so manche Panne folgt. Einmal entzündet sich der Luftfilter des Begleitbusses und Gottschalk hat Mühe, sein Gefährt vor den Flammen zu retten. In Jordanien steigen sogar Prinz Hassan und Prinzessin Sumaya ins Solartaxi."Es wurde sozusagen geadelt", erzählt Gottschalk. Er ist sich aber sicher, dass es in den Ölstaaten besonders schwer wird, das Fahrzeug anzupreisen. Dem jordanischen Umweltminister erklärt Gottschalk das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das Deutschland innerhalb von zehn Jahren 200 000 Arbeitsplätze und 14 Prozent grünen Stromanteil beschert hat. Nach langem Warten auf das Visum geht es weiter ins Land der Saudis. Nach dem Nahen wird es auch in den Fernen Osten gehen, dann durch Kanada, USA und Nordafrika. 10 000 Euro und eine Menge Schweiß wird ihn der Trip am Ende gekostet haben.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.11.2007

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