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Ortswechsel

Mit Bus und Bahn von Köln nach Athen

Gerd Höhler
Gerd Höhler ist Handelsblatt-Korrespondent in Athen. Wegen der Aschewolke konnte sein Flug aus dem Heimaturlaub nicht starten. Kurzerhand fuhr er mit Bus und Bahn - 80 Stunden lang. Er schildert die Eindrücke seiner Reise quer durch Europa.
Gerd Höhler reiste mit Bus und Bahn nach AthenFoto: © Pablo Castagnola
Fast 80 Stunden war ich unterwegs von Köln nach Athen - eine Reise unter der Aschewolke des isländischen Vulkans. Der Flug, den ich eigentlich für den Samstag gebucht hatte, hätte inklusive Umsteigen nur fünf Stunden gedauert. Aber was habe ich nicht alles gesehen und erlebt: die Zugfahrt am Rhein entlang, das Wiedersehen mit der Loreley. Das Gespräch mit dem Ökonomieprofessor im Speisewagen zwischen Mannheim und Basel. Die Bekanntschaft mit der freundlichen älteren Schweizerin, die mir im Zug nach Zürich von ihren bitteren Aktienverlusten bei Swissair und UBS erzählte und mir spontan ihr Gästezimmer anbot, als sie erfuhr, dass ich erst am nächsten Morgen weiterfahren würde.Am Sonntag die Fahrt durch die Alpen ins Tessin. Das unvorstellbare Menschengewühl auf dem Bahnhof von Mailand, die weißen Handschuhe der beiden Kellner im Eurostar 9529, die unvergleichlich milde Abendstimmung auf Bahnsteig vier in Bologna. Die Ankunft am Abend in Ancona, wo ich am Bahnhof eine geschlagene Stunde auf ein Taxi warten musste und der Fahrer mir für die knapp einen Kilometer lange Fahrt zum Hotel 17 Euro abknöpfte - ich war zu müde, um mich zu wehren.

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Am Montag dann die Fähre von Ancona zum griechischen Patras, meine Begegnung mit den vier Amerikanern aus New York, die in Florenz von der Aschewolke überrascht wurden, auf dem Weg nach Tel Aviv waren und trotz des Chaos alles "beautiful" fanden. Von dort erreichte ich am Dienstag nach dreieinhalb Stunden im Bus Athen - geschafft! In jeder Hinsicht.Es wäre auch schneller gegangenDabei lief alles eigentlich erstaunlich glatt. Meine deutschen ICE-Züge hatten zwar jeweils stattliche Verspätungen von mehr als einer Stunde und waren völlig überfüllt, dafür fuhren die italienischen Züge auf die Minute pünktlich. Die Schweizer sowieso. Aber 80 Stunden sind natürlich eine lange Zeit. Inzwischen weiß ich: Es geht auch schneller. Man kann die Reise in rund 45 Stunden schaffen, wenn man die optimalen Anschlüsse wählt und nachts durchfährt.Und noch etwas würde ich anders machen: nicht mehr am Fahrkartenschalter anstehen, sondern einfach in den nächsten Zug steigen und die Fahrkarte beim Schaffner kaufen - wenn er denn kommt. Heute fliege ich nach Berlin. Mal sehen ...
Dieser Artikel ist erschienen am 23.04.2010

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