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Gefeuert!!!
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Unternehmenssprache

Mit anderen Worten: Gefeuert!

Marcel Berndt, wiwo.de
Wenn Firmenchefs abtreten, dann trennen sie sich meist von ihrem Unternehmen im "gegenseitigen Einvernehmen". Anders Groupon-Chef Andrew Mason, der seinen Mitarbeitern schrieb: "Ich wurde heute gefeuert." Eine seltene Offenheit.
Es war ein schwarzer Tag in der Unternehmensgeschichte von Groupon. Der seit einiger Zeit wachsende Problemberg des US-amerikanischen Unternehmens gipfelte in einem Kursverlust von 24 Prozent. Darauf verkündete Groupon-Chef Andrew Mason seinen Rücktritt.

"Ich habe entschieden, dass ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen möchte", schrieb er seinen Mitarbeitern. "Das war nur ein Scherz. Ich wurde heute gefeuert."

Das ist einerseits eine ungewohnte Offenheit und andererseits ein Seitenhieb auf die in der Wirtschaft vorherrschenden Floskeln.

Im gegenseitigen Einvernehmen

Die bekannteste Floskel ist etwa die Trennung im "gegenseitigen Einvernehmen". Dies war etwa bei dem ehemaligen RWE-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Großmann der Fall.

Nach schlechten Zahlen vermeldete das Unternehmen im Juli 2012, dass Peter Terium fortan RWE leiten werde und stellte zu Großmann nüchtern fest: "Des Weiteren haben der Aufsichtsrat der RWE Aktiengesellschaft und Herr Dr. Jürgen Großmann dessen Bestellung zum Mitglied des Vorstands und seine Ernennung zum Vorsitzenden des Vorstands der RWE Aktiengesellschaft auf seinen Wunsch einvernehmlich zum 30.06.2012 aufgehoben."
 
Andere Mentalität in den USA

Zumindest etwas freundlicher gab sich ein Jahr zuvor der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in seinem offiziellen Statement zum Rücktritt. Darin hieß es: "Ich freue mich über die vom Aufsichtsrat beschlossene Neuordnung an der Spitze der Bank und bin gern bereit, in den Aufsichtsrat einzutreten und den Vorsitz des Gremiums zu übernehmen, um auch so in Zukunft der Bank dienen zu können." Doch zu einem Aufsichtsratsvorsitz Ackermanns kam es gar nicht erst.

Der Journalistikprofessor und Kommunikationsberater Christoph Moss sieht im Abgang von Andrew Mason einen Mentalitätsunterschied zwischen Deutschland und den USA. "In Deutschland sind wir an einen konservativen, zurückhaltenden Sprachstil gewöhnt", sagt der Sprachexperte.

"Ein Peer Steinbrück, der sich klar und intuitiv ausdrückt und dabei gegen den Strom schwimmt, irritiert deshalb viele Deutsche und stößt den einen oder anderen vor den Kopf."
 

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