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Mieser Ruf schreckt Bewerber nicht ab

Gero Brandenburg
Die Ölpest im Golf von Mexiko hat BP viele negative Schlagzeilen gebracht. Dessen ungeachtet ist der Energiekonzern als Arbeitgeber weiterhin attraktiv. Nur wenige Bewerber lassen sich von einem guten Job durch ein schlechtes Konzernimage abschrecken.
Auch skandallbehaftete Unternehmen ziehen Bewerber anFoto: © Monkey Business - Fotolia.com
Vor vier Wochen explodierte die Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko. Seitdem sprudeln täglich 800 000 Liter Rohöl aus dem Bohrloch am Meeresgrund. Rettungsmaßnahmen und Schadensersatz kosten BP Milliarden. Und nicht nur das Meer ist verseucht, sondern auch das Image des Energiekonzerns.Wenn Sie sich jetzt denken, das ist doch sicher ein herber Rückschlag im Wettstreit um die besten Köpfe, dort wird doch keiner mehr arbeiten wollen, irren Sie sich. Dem Ruf als Arbeitgeber schaden solche Ereignisse nur vorübergehend. "Derzeit bestimmt diese Umweltkatastrophe zwar, was die Leute über BP denken. Aber mittel- und langfristig spielt das bei Bewerbern nur eine untergeordnete Rolle", sagt Christian Beck. Der BWL-Professor an der Fachhochschule Koblenz untersucht das Image von Arbeitgebern und ist Experte für Employer Branding.

Die besten Jobs von allen

Der schlechte Ruf ist vergänglichDas haben auch schon andere Konzerne erfahren. Die Deutsche Telekom und der Energiekonzern Vattenfall etwa, die wegen der Bespitzelungsaffäre oder den Störfällen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel in der öffentlichen Kritik standen, finden sich im aktuellen Wirtschaftswoche-Ranking der beliebtesten Arbeitgeber für Absolventen wieder. Den traditionell hoch geschätzten Autoherstellern wie Audi und Porsche oder Software-Riesen wie Google und IBM können sie zwar nicht das Wasser reichen. Aber für einen Platz in der oberen Tabellenhälfte reichte es für Telekom bei den Informatikern und Vattenfall bei den Ingenieuren schon. Die schlechte Presse ist zwar nicht völlig vergessen, beeinflusst die Entscheidung der jungen Akademiker aber kaum.Auch die Finanzbranche hat sich aus dem Tal der Tränen verabschiedet. Noch immer gibt es vereinzelt Kritik, aber das schlechte Image haftet nicht mehr wie eine zweite Haut an den Bankern. Die Buhmänner der Wirtschaftskrise suchen wieder neues Personal - und: sie finden es auch. Deutsche Bank und Commerzbank meldeten wieder hohe Bewerberzahlen für ihre Traineeprogramme. Denn die Bezahlung ist sehr gut und die Arbeitsplätze sind sicher. "Ein Banker mit BWL-Studium und Berufserfahrung hat im Normalfall auf Jahrzehnte hinaus eine Beschäftigungsgarantie", sagt Arbeitsmarktexperte Dirk Rudolph von der Frankfurt School of Finance and Management.Nimmt man neben Gehalt und Jobsicherheit noch die persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten und Work-Life-Balance hinzu, hat man die wichtigsten Kriterien für die Arbeitgeberwahl beisammen. Folglich bietet der Arbeitgeber BP trotz Ölpest vor der Südküste der USA gute Argumente. "Die Energiewirtschaft ist eine Zukunftsbranche und BP ein großer internationaler Konzern - das spricht viele Interessenten an", sagt Professor Beck.Natürlich gilt auch, dass Ingenieure oder Naturwissenschaftler, denen Ökologie und Nachhaltigkeit besonders am Herzen liegen, den Konzern - auch wenn er mit einem eigenen Geschäftsbereich für regenerative Energien wirbt - zukünftig nicht mehr in Betracht ziehen.Alle anderen, so könnte man überspitzt formulieren, sehen das nicht ganz so eng.

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