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Interview mit Andreas von Bechtolsheim

"Mich interessiert nur meine Arbeit"

Helmut Werb
Der deutsche Informatiker Andreas von Bechtolsheim gründete in den 80er-Jahren die Firma Sun-Microsystems. Später war er einer der ersten Investoren bei Google. Im Interview erklärt er, wie er die Google-Gründer Larry Page und Sergej Brin motivierte und wieviel ihm Reichtum bedeutet.
Andreas von Bechtolsheim, gebürtiger Bayer und Sun-Microsystems-GründerFoto: © Helmut Werb
Sie gelten als einer der erfolgreichsten Investoren in der IT-Branche. Man nennt Sie auch Angel Investor ...
Ich hasse diesen Begriff.
Was stört Sie daran?
Business Angels, das sind Leute, und davon gibt es eine ganze Menge, die hier und da ein wenig heruminvestieren und die Gründer ein bisschen beraten. Das funktioniert meistens nicht so toll, um ganz ehrlich zu sein.

Die besten Jobs von allen

Wie geht es denn richtig?
Start-up-Unternehmen brauchen in der Regel eine Menge Kapital, um profitabel zu werden. Wenn ich investiere, dann beteilige ich mich als Venture Capitalist an den Unternehmen. In einigen Fällen waren das erhebliche Investments, die es den Firmen ermöglichten, zu wachsen, Gewinne zu erzielen, später an die Börse zu gehen oder verkauft zu werden.
Warum haben Sie sich als Risikokapitalgeber weitestgehend zurückgezogen?
Für mich war das nie ein Full-Time-Job. Andere Investoren leisten sich Firmen mit vielen Angestellten und hohen Kosten, um das Geld anderer Leute einzusammeln. Ich habe ohne großen Aufwand in 25 oder 30 Firmen investiert, und viele davon waren sehr erfolgreich. Vor einigen Jahren war es noch viel einfacher, Gewinner zu finden. Seitdem die Märkte zusammengebrochen sind, ist das Risikokapitalgeschäft fast unmöglich geworden. Ich lebe jetzt seit 30 Jahren, im Silicon Valley, und es war noch nie so schwer wie heute, eine IT-Company zu gründen.
Haben Sie mit 54 Jahren überhaupt noch den richtigen Riecher, was erfolgreich sein wird?
Aber natürlich. Mein Erfolgsrezept besteht darin, dass ich verstehe, was eine Technik leisten kann, vor allem welches Potenzial sie in Zukunft haben wird.
Als die Google-Gründer Larry Page und Sergej Brin Ihnen 1998 ihre Idee präsentierten, wussten Sie da auch sofort, welches Potenzial die hat?
Ich wusste, dass die beiden eine gute Idee hatten. Wie gut sie wirklich war, hätte ich mir damals aber nicht mal im Traum vorstellen können.
Die Legende besagt, dass Sie erst mal wortlos den Raum verließen. Brin und Page packten enttäuscht ihre Sachen zusammen und wollten gerade gehen, als Sie mit einem Scheck über 100000 Dollar zurückkamen, weil Sie Ihr Scheckbuch im Auto liegen gelassen hatten.
Kann sein. Das war auf jeden Fall sehr gut angelegtes Geld. Ich kannte die beiden schon vorher. Ich habe den Check damals extra auf Google Inc. ausgestellt, obwohl sie die Firma noch gar nicht gegründet hatten. Ich wollte sie so motivieren, endlich in die Puschen zu kommen.
Haben Sie den Scheck noch?
Ja, der liegt bei mir zu Hause.
Obwohl Sie sagen, dass das Investitionsklima zurzeit schlecht ist, haben Sie Ihr neues Unternehmen Arista Networks mitten in der Krise gegründet. Warum läuft es trotzdem?
Wir bauen Netzwerkschalter, die dort eingesetzt werden, wo es auf extrem schnelle Prozessoren ankommt. Über ein Drittel unserer Kunden sind Wall Street Trader, die ihr Geld in Mikrosekunden machen, im sogenannten High Frequency Trading. Da kommt es auf Nanosekunden an. Sind sie die Mikrosekunde schneller als die Konkurrenz, ist das wie eine Lizenz zum Gelddrucken. Deshalb verlegen alle Trader ihre Daten-Center in das neue Gebäude der New York Stock Exchange, eben um diese eine Nanosekunde schneller zu sein. Und unsere Netzwerkschalter sind einfach die schnellsten auf dem Markt.

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