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Gefangen im Job
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Work-Life-Balance

Mein Leben gehört mir – nicht!

wiwo.de, Ferdinand Knauß
Deutschen Unternehmen laufen die Mitarbeiter im internationalen Vergleich besonders schnell weg. Im Wettbewerb um gute Mitarbeiter sollten Firmen künftig auch das Bedürfnis nach einem Ausgleich von Beruf und Privatleben berücksichtigen, zeigt eine internationale Studie.
Rund 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland gehen davon aus, dass die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter unausgewogen ist. 60 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Mitarbeiter häufig unter großem Druck arbeiten. Da wundert es wenig, dass deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich besonders oft die Leistungsträger und Nachwuchstalente abhanden kommen.

Für die "Global Talent Management & Rewards Study 2012" der Unternehmensberatung Towers Watson wurden insgesamt 1605 Firmen weltweit befragt, darunter 36 aus Deutschland. Die Studie ist das Gegenstück aus Unternehmensperspektive zur "Towers Watson Global Workforce Study 2012" aus Sicht der Arbeitnehmer.

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Viele Mitarbeiter seien bereit, in bestimmten kritischen Phasen für ihr Unternehmen Höchstleistungen zu erbringen, wie die befragten Unternehmen bestätigen.

Strategien müssen her

"Wird daraus jedoch ein 'Dauersprint', leidet das Engagement der Mitarbeiter", erklärt Olaf Lang, Leiter des Beratungsbereichs Talent & Rewards bei Towers Watson. "Die Global Workforce Study zeigt, dass gerade eine gute Work-Life-Balance Mitarbeiter motiviert, nicht nur kurzfristig, sondern regelmäßig gute Arbeitsergebnisse abzuliefern. Unternehmen sollten daher Strategien entwickeln, um die Motivation und das Engagement ihrer Mitarbeiter langfristig und nachhaltig zu unterstützen", so Lang

Im internationalen Vergleich zeigt sich die Situation der Mitarbeiter in Deutschland besonders angespannt. Denn weltweit gehen immerhin 52 Prozent der Unternehmen davon aus, dass die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter stimmt. In Deutschland liegt dieser Anteil bei gerade einmal bei 31 Prozent. "Die hohe Arbeitsbelastung kann auch die Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen beschädigen", weiß Towers-Watson-Berater Jürgen Haselgruber.

Stress als wichtiger Grund für Jobwechsel

"Unternehmen in Deutschland berichten seltener als Unternehmen weltweit, dass ihre Mitarbeiter sie als guten Arbeitgeber weiterempfehlen. Und aus Mitarbeitersicht zählt die Chance, arbeitsbezogenen Stress zu begrenzen, zu den zehn wichtigsten Gründen für einen Jobwechsel." 70 Prozent der Unternehmen in Deutschland fällt es nach eigenen Angaben schwer, ihren Nachwuchstalenten den Verbleib schmackhaft zu machen, aber nur 54 Prozent weltweit. 34 Prozent der deutschen Firmen berichten, dass ihnen Hochschulabsolventen oft davonlaufen, international klagen darüber nur 20 Prozent der Unternehmen.

"Unternehmen, die ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, Privatleben und Arbeit gut unter einen Hut zu bringen', etwa durch flexible Arbeitsmodelle, die Möglichkeit, längere Auszeiten zu nehmen oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung, werden sowohl mit Blick auf das Engagement als auch mit Blick auf die Mitarbeiterbindung über Wettbewerbsvorteile im 'War for Talents' verfügen", sagt Haselgruber

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 07.11.2012

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