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Respekt in der Arbeitswelt
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Etikette im Job

Mehr Respekt, bitte!

Ein Interview von Inge Kutter, zeit.de
Achtung kann das Miteinander im Beruf sehr erleichtern – und zugleich erschweren, sagt der Psychologe Niels Van Quaquebeke.
Sie erforschen den Respekt in der deutschen Arbeitswelt. Wie steht es derzeit damit?

Wenn ich in Unternehmen anrufe, um ein Forschungsvorhaben vorzustellen, habe ich es zuerst meist mit den Sekretärinnen zu tun. Wenn ich denen das Thema nenne, höre ich oft: "Über Respekt forschen Sie? Na, dazu werden Sie hier aber viele schöne schlechte Beispiele finden!"

Noch als Doktorand haben Sie vor zehn Jahren die Respect Research Group gegründet. Warum?

Mich hat mein eigenes Problem beschäftigt. Ich hatte während des Studiums viel gejobbt. Dabei bin ich ganz unterschiedlichen Vorgesetzten begegnet. Für die einen habe ich sehr gern gearbeitet und mich stark eingesetzt – bei den anderen hatte ich schon morgens keine Lust aufzustehen. Ich habe mich gefragt: Woran liegt das eigentlich?

Und woran lag es?

Am vertikalen Respekt. Den kann man gegenüber Höhergestellten empfinden – oder auch nicht. Dafür muss man anerkennen, dass ein anderer etwas besser kann als man selbst – und das in einem Bereich, der für einen relevant ist. Wenn Sie privat eine tolle Punkrockerin wären, ich aber mit Musik überhaupt nichts am Hut hätte, fiele es mir schwer, Ihnen dafür Respekt zu zollen. Wenn Sie jedoch in der Wissenschaft tätig wären und den Nobelpreis bekommen hätten, könnte das für mich ein Grund sein, Sie zu respektieren.

Außerdem: Je mehr Sie mich übertreffen, desto größeren Respekt empfinde ich.

Was bewirkt dieser Respekt zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten?

Für einen Mitarbeiter, der seinen Chef oder seine Chefin respektiert, fühlt sich die formale Hierarchie richtig an. Die Idee von Hierarchie ist ja, dass es Leute gibt, die etwas besser können als andere und diese dann entsprechend führen. Wenn ein Mitarbeiter einen Vorgesetzten nicht respektieren kann, entsteht Frust, weil es der subjektiv empfundenen Hierarchie widerspricht.

Es kann aber auch passieren, dass man beim Arbeiten frustriert ist, weil man sich selbst von anderen nicht respektiert fühlt.

Dann handelt es sich meist um ein Problem des horizontalen Respekts. Dabei geht es nicht um ein Übertreffen, sondern darum, anzuerkennen, dass das Gegenüber ebenfalls ein Mensch ist und das gleiche Recht hat wie man selbst, würdevoll behandelt zu werden.

Ist das nicht selbstverständlich?

Das ist schwieriger, als es scheint! Um andere würdevoll zu behandeln, muss man erst unter anderem einmal herausfinden, was sie persönlich darunter verstehen.

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