Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Frank-Markus Barwasser

Mehr als nur ein kaputter Arm

Mariam Schaghaghi
Kabarettisten haben nicht mehr zu lachen als andere Menschen. Frank Markus Barwasser, besser bekannt unter dem Künstlernamen Erwin Pelzig, kann davon ein Lied singen. Der letzte Auftritt einer Tournee entpuppte sich als sein schlimmster überhaupt.
Frank-Markus Barwasser gibt alles für sein PublikumFoto: © Frank-Markus Barwasser
Der schlimmste Job, den ich je hatte, war vor acht Jahren, bei einer Vorstellung meines Kabarettprogramms "Worte statt Taten". Ich trat als mein Alter Ego Erwin Pelzig in einem sehr großen Saal auf, mit 1200 Zuschauern, irgendwo im Allgäu. Ich hatte eine lange und anstrengende Tournee hinter mir, es war die letzte Vorstellung vor einer dreimonatigen Pause, die ich in der Bretagne verbringen wollte.Das Programm endete mit einem "Black", das heißt, das Licht ging komplett aus. Vorgesehen war, dass ich in dieser kurzen Zeit von der Bühne abgehe. Dann geht das Licht dreimal wieder an, die Bühne ist leer, aber beim vierten Mal muss ich wieder oben stehen und ein Telefonat führen. Das war die Pointe. Es ist also der letzte Abend, es wird dunkel, ich will von der Bühne, aber der Veranstalter hatte wohl vergessen, mir an die Treppe ein Sicherungslicht zu montieren.

Die besten Jobs von allen

Ich denk mir noch: Bleib lieber stehen! Doch während ich das dachte, war ich bereits im freien Fall. Ich stürzte zwei Meter tief auf den Betonboden und kam mit dem rechten Arm auf. Ich hatte sofort Höllenschmerzen, so stark, dass ich einer Ohnmacht nahe war. Aber in einem unglaublichen Pflichterfüllungsbewusstsein sah ich oben auf der Bühne das Licht angehen - einmal, zweimal, dreimal -, und ich wusste: Beim vierten Mal musst du oben stehen. Ich weiß nicht wie, vielleicht war es der Schock, aber ich stand beim vierten Mal tatsächlich oben.Mehr als ein blauer FleckWas ich nicht gesehen hatte: Mein Arm war doppelt ausgekugelt, an der Schulter und am Ellenbogen, und er stand am Ellenbogen im rechten Winkel ab. Ich habe zu Ende gespielt - auch wenn ich dem Kollaps nahe war -, die Verbeugungen gemacht - und dann ging's sofort ins Krankenhaus. Ich weiß noch, die Veranstalterin fuhr mich mit ihrem kleinen Fiat in die Klinik, und sie war so aufgeregt, dass sie immer wieder gegen den Bordstein fuhr und ich mit dem kaputten Arm dauernd gegen die Tür stieß. Es war ein einziges Drama.Also: Mein schlimmster Job war es, mit zweifach ausgekugeltem Arm ein Programm auf der Bühne zu Ende zu spielen - das war wirklich brutal. Ich war sechs Wochen lang im Gips. Alles fürs Publikum!Lesen Sie mehr aus der Rubrik "Mein schlimmster Job":
Daimler: Feinschliff mit blutigen Händen
Thomas D.: "Der Junge hat was Anständiges g'lernt!"
Kalkofe: Allein vor 1000 Saufköppen
Dieser Artikel ist erschienen am 23.06.2010

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick