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Gesundheit

Medizintechnik: Die Branche wächst rasant

D. Fröhlich, K. Stricker
Die Deutschen werden immer älter, die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen steigt. Und die Branche sucht vor allem Naturwissenschaftler und Ingenieure.
Jobmotor Medizintechnik: Hier sind Experten gefragtFoto: © Snowleopard1 - Fotolia.com
Mit der Gesundheit lässt sich Geld verdienen, viel Geld. Schließlich will jeder möglichst lange fit bleiben. Und sollte er doch mal krank sein, dann will er die neuesten Medikamente verabreicht bekommen und mit Geräten untersucht werden, die auf dem aktuellen Stand der Technik sind. Die führenden Unternehmen der Branche, unter ihnen GE, Siemens und Roche, haben längst eigene Health-Care-Abteilungen aufgebaut, hinzu kommen unzählige spezialisierte Mittelständler.Die Branche boomt: Vorhergesagt wird, dass der Markt für Gesundheitsvorsorge in Deutschland bis 2020 von derzeit rund 230 Milliarden Euro auf 500 Milliarden Euro anwächst. Von diesem Wachstum profitiert auch der Arbeitsmarkt. Bereits heute zählt der Gesundheitssektor zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Deutschlands. 4,3 Millionen Menschen sind hier beschäftigt. Fast jeder neunte Arbeitsplatz hat mit Gesundheit zu tun. Neben Jobs für Pflege- und Klinikpersonal sowie Therapeuten bietet die Branche auch sehr gute Jobchancen für Akademiker und Hochschulabsolventen.

Die besten Jobs von allen

"Der gesamte Markt wächst rasant"In der Forschung und Entwicklung neuer medizinischer Produkte, Geräte und Dienstleistungen finden junge Naturwissenschaftler, vor allem Biologen, Chemiker und Ingenieure, ein breites Einsatzgebiet. Aber auch Betriebs- und Volkswirte sind in der Gesundheitswirtschaft zunehmend gefragt, etwa im Klinikmanagement oder in der Verwaltung bei Krankenkassen. "Der gesamte Markt wächst rasant. Hochschulabsolventen ha-ben hervorragende Zukunftsaussichten", sagt Silvia Dobrindt, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Unternehmens- und Personalberatung Kienbaum.Ein Grund: Durch den demografischen Wandel wächst die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen. Die Deutschen werden immer älter und sind bereit, für entsprechende Produkte und Dienstleistungen viel Geld zu zahlen. Andererseits entwickelt sich die Technik rasant weiter - Krankheiten können schneller entdeckt und mit immer besseren Methoden therapiert werden als noch vor einigen Jahren. Zudem schaffen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen und der Druck auf die Kliniken und die Krankenkassen, möglichst effizient zu arbeiten, zusätzlichen Bedarf für gut ausgebildete Wirtschaftswissenschaftler mit detaillierten Kenntnissen der Branche.
Foto: © Junge Karriere
Besonders attraktiv für Hochschulabsolventen und junge Berufstätige sind Jobs in der Medizintechnik. Schon heute haben sich in Deutschland rund 200000 Menschen darauf spezialisiert - Tendenz stark steigend. Der Bundesverband Medizintechnik BVMed hat zuletzt eine Umfrage unter 140 Unternehmen durchgeführt. Das Ergebnis: 2005 haben immerhin schon 36 Prozent der befragten Unternehmen Arbeitsplätze geschaffen, ein Jahr später waren es 46 Prozent und im vergangenen Jahr satte 55 Prozent. Das Fazit der Untersuchung: "Die Medizintechnik ist nach wie vor ein Jobmotor", sagt Manfred Beeres vom BVMed.Und gerade Berufseinsteiger haben derzeit die Qual der Wahl. Sowohl die Big Player wie Siemens Healthcare, Fresenius und Roche Diagnostics suchen qualifizierte Ingenieure mit Schwerpunkt Medizintechnik als auch mittelständische Unternehmen wie B.Braun und Dräger planen Neueinstellungen. So melden beispielsweise Fresenius und Siemens Healthcare jeweils Bedarf an rund 350 neuen Mitarbeitern; bei Roche sind es sogar 600, davon 120 Absolventen und 120 junge Berufstätige. Auch GE will seine Healthcare-Abteilungen um 250 Akademiker aufstocken.Dass der Bedarf an Medizintechnikern groß ist, bestätigt Silvia Dobrindt, Health-Care-Expertin bei Kienbaum: "Wer sich für Medizintechnik, Maschinenbau oder Elektrotechnik entscheidet, hat derzeit richtig gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt", sagt sie. Aber auch mit einem naturwissenschaftlichen Studium wie Biologie, Chemie oder Biotechnologie haben Absolventen aktuell gute Karten beim Einstieg in die Gesundheitsbranche. Dobrindt rät Studenten, schon während des Studiums durch Praktika erste Kontakte zu Unternehmen und Krankenhäusern zu knüpfen. Denn: "In der Medizintechnik werden gute Praktikanten häufig direkt nach dem Studium übernommen."Krankenhäuser, Dialysezentren, Industrie, Forschung: Medizintechniker sind vielfältig einsetzbar. Nur rund 15 Prozent der 200.000 in der Medizintechnik beschäftigten Menschen arbeiten im Labor, in der Forschung und an den Universitäten. Den Rest zieht es in die freie Wirtschaft. In Krankenhäusern beispielsweise installieren, warten und reparieren die Fachkräfte technische Geräte auf Intensivstationen und weisen das Pflegepersonal ein. Medizintechniker sind Ansprechpartner für Ärzte, Patienten und das Verwaltungspersonal zugleich.

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