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Chefs müssen lernen sich selber zu motivieren
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Erfolgreiches Management

Wie sich Chefs bei Laune halten

Teil 2: Ergebnisorientierung und Leistungsdruck sind Motivationskiller

Demotivation Nummer zwei: Die Zahlen stimmen nicht

Die Führungskraft sagt: "Trotz starker Bemühungen bleiben Mitarbeiter und Zahlen weit hinter den Erwartungen. Alles umsonst!"

Das raten die Coaches: Führungskräfte werden in vielen Unternehmen an den Ergebnissen gemessen. Wer gut da stehen will, muss liefern. Das baut Druck auf, gerade wenn die Zahlen stagnieren. Thomas Baschab kennt die Fixierung auf Ziele aus seiner Arbeit mit Leistungssportlern nur zu gut. "Nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Ziel ist im Weg", beschreibt er seine Erfahrungen. Bestes Beispiel: Baschabs Klient Simon Schempp, Weltmeister im Biathlon.

Der Weg an die Weltspitze war steinig, denn lange war Schempp nur in der Staffel erfolgreich. Mit jedem Sieg in der einen Disziplin stieg jedoch das Verlangen nach einer Medaille in der anderen Disziplin – und damit der Druck. Schempp fühlte sich zunehmend gelähmt.

Mit jedem Rennen wurde er schlechter – bis er sich nicht mehr auf die Medaille, sondern auf seine Leidenschaft am Sport fokussierte. Damit wurde er Weltmeister. Es ist nur ein kleiner Kniff, doch er machte den Unterschied. "Nur Menschen, die etwas aus Liebe oder Leidenschaft tun, sind auf Dauer erfolgreich", so Baschab.

Wem der ganzheitliche Ansatz zu abstrakt ist, kann auch folgendes machen: Abstand gewinnen. Am besten an der frischen Luft. "Nehmen Sie sich Ihre Jacke, verlassen Sie das Unternehmen, damit die Mitarbeiter wegen ihrer Stimmung nicht in Panik geraten, und gönnen Sie sich erst mal einen langen Spaziergang", rät Wieser-Weber.

Ein geeigneter Ort dafür sei ein Friedhof. Nicht nur wegen der Ruhe, sondern auch weil oft erst die Gegenwart des Todes bewusst mache, wie vergänglich alles ist. Im Anschluss, so rät die Expertin, hilft ein schöner Abend mit Familie, Partner oder Freunden. "Denn das ist es doch, was sie jetzt sehr gut gebrauchen könnten: Leichtigkeit statt Verbissenheit."

Demotivation Nummer drei: Der Druck wird immer größer

Die Führungskraft sagt: "Der Druck von oben wird unerträglich. Ich kündige!"

Das raten die Coaches: "Gratulation! Das Leben ist zu kurz für schlechten Wein und unerträglichen Druck von unerträglichen Firmen", findet Wieser-Weber. "Und knicken Sie bloß nicht ein, nur weil Sie glauben, woanders könnte es noch schlimmer sein." Wer unglücklich sei, stecke andere an. Und das, so Wieser-Weber, sei schlecht fürs Geschäft.

"Friedrich Nietzsche sagte einmal 'Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie'", so Thomas Baschab. "Rückschläge", konstatiert er, "gehören einfach zum Leben dazu. Und mit ihm kommen die quälenden Fragen: Ist das wirklich der richtige Job für mich? Kann ich den Druck noch lange ertragen?" Baschab rät zu einer intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst. "Wenn Sie bei der Frage, warum sie ihren Job noch machen, zu keinem Ergebnis kommen, sollten sie Konsequenzen ziehen."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 10.11.2017

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