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Ein vergoldeter Rausschmiss ist oft üblich bei Mitgliedern des Vorstands
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Kündigung im Vorstand

Wenn die Trennung Millionen kostet

Teil 3: Mit juristischen Schlammschlachten ist niemandem geholfen

Allerdings landen derartige Fälle nicht vor Gericht, wie Lüthge sagt. "Zwar gibt es immer mal wieder Klagen, die meisten Fälle werden dann jedoch oft vor dem Urteilsspruch einvernehmlich verglichen."

Denn es sähe weder für den Konzern, noch für den Manager oder die Managerin gut aus, wenn sie sich vor einem Arbeitsgericht eine Schlammschlacht lieferten. Hätte VW mit Schlamm auf Hohmann-Dennhardt geworfen, die Chancen, nochmal einen Externen ins Unternehmen zu holen, stünden gleich Null. Umgekehrt täte sie sich nun genauso schwer, einen neuen Job zu finden.

Also zahlt das Unternehmen dem Vorstand zähneknirschend – und ist ihn los. Was aber nicht heißt, dass es in diesen Fällen keine Auseinandersetzungen gibt, wie Lüthge erzählt. Da werde durchaus hart verhandelt, was auch völlig in Ordnung sei – so lange alles im Rahmen bleibe. "Wenn ein Manager einen Vertrag unterschrieben hat, der im Falle einer Freistellung nur die Fortzahlung des Grundgehalts vorsieht, dann sieht es einfach nicht gut aus, wenn der Manager später doch weitere Vergütung wie Boni einklagt."

Und weiter: "Die Praxis zeigt Fälle, in denen selbst langjährige Personalleiter nach der Kündigung vorgebracht haben, sie seien keine leitenden Angestellten, um so ein besseres Ausstiegspaket zu erhalten."

"Wir eskalieren das jetzt"

Umgekehrt habe er aber auch schon Unternehmen erlebt, die sich sagten "unser Ruf ist ohnehin nicht der beste, wir eskalieren das jetzt." Und schon sei so manchem Manager die Kündigung schmackhaft gemacht worden, in dem man ihm die Arbeit madig gemacht habe. Dann wird der Finanzchef zum Teamleiter der Buchhaltung degradiert, Verantwortung entzogen oder es berichten plötzlich nicht mehr acht, sondern nur noch zwei Mittelmanager an denjenigen. Das sei oft sogar legitim, so der Anwalt. "Das ist noch nicht ganz das kahle Zimmer ohne Fenster, aber für viele – zumindest gefühlt – schon nah dran", sagt Lüthge.

In anderen Fällen, bei denen Managern betriebsbedingt gekündigt werden sollte, seien gleich ganze Bereiche wegorganisiert worden. Wenn das Marketing vom Vertrieb miterledigt wird und Employer Branding von der Personalabteilung, braucht man schließlich keinen Chief Marketing Officer mehr und kann den guten Gewissens entlassen. Ein Schelm, wer hier an Mobbing denkt. Deshalb rät Lüthge Inhabern dringend davon ab, diesen Weg zu gehen – egal, wie hoch der Frust ist. "Am Ende steht immer ein gewisses Reputationsrisiko, weil nicht abschätzbar ist, wie ein Manager sich in einer solchen Situation intern wie extern verhalten wird."

Oftmals unterstützt ein Mediator den Trennungsprozess

Seiner Erfahrung nach wollen die meisten Unternehmen jedoch keinen Staub aufwirbeln. "Die wollen einen sauberen Trennungsprozess, der sich nach außen gut verkaufen lässt. Dafür greifen sie dann auch schon mal etwas tiefer ins Portemonnaie." In der Praxis werden deshalb viele dieser Verhandlungen auf Top-Management-Ebene von einem Mediator begleitet, wie er sagt. "Da kommt es regelmäßig vor, dass sich die Parteien und deren Anwälte an geheimen Orten treffen, um einen einvernehmlichen Deal zu schmieden."

Auf Hohmann-Dennhardt folgt bei VW übrigens Hiltrud Werner. Die Ökonomin leitet seit Januar 2016 die Konzernrevision bei Volkswagen, vorher war sie Leiterin der Revision der ZF Friedrichshafen AG. Werner steht im Ruf, nicht nur reihenweise Mitarbeiter zum Weinen zu bringen, sondern auch eine Fehlerkultur und einen Managementstil a la Martin Winterkorn zu pflegen. Also genau das, was der aktuelle VW-Chef Matthias Müller versprochen hat, abzuschaffen. Falls Werner ihrem Ruf auch in der neuen Position gerecht wird, kann es also sein, dass sie sich schon im kommenden Jahr über eine saftige Abfindung freuen kann.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 19.07.2017

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