Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Ein vergoldeter Rausschmiss ist oft üblich bei Mitgliedern des Vorstands
Foto: ira_qiwi / Fotolia.com
Kündigung im Vorstand

Wenn die Trennung Millionen kostet

Teil 2: Einen Geschäftsführer wird man leichter los, als die Putzfrau oder den Pförtner

"Den Vertrag mit einem Geschäftsführer zu beenden, verläuft häufig in geordneteren und vorhersehbareren Bahnen als bei Angestellten", sagt Henrik Lüthge, Arbeitsrechtsexperte und Partner bei der Kanzlei Beiten Burkhardt. Vulgo: Einen Geschäftsführer wird man leichter los, als den Pförtner, die Putzfrau oder einen Mitarbeiter aus der Buchhaltung.

Geschäftsführer haben nämlich keinen Kündigungsschutz und können ohne Angabe von Gründen jederzeit abberufen werden. Dafür verdienen sie natürlich entsprechend gut. "Wer Geschäftsführer wird, setzt sich einem hohen Risiko aus: Werden Ziele nicht erreicht oder ändern sich Rahmenbedingungen, droht die kurzfristige Abberufung. Darum sind vergleichsweise lange Kündigungsfristen und manchmal auch Abfindungsansprüche vertraglich vereinbart. Das mindert zumindest das finanzielle Risiko für die jeweilige Privatperson", sagt Lüthge, der Unternehmen und Manager bei Reorganisationen, Umstrukturierungen und Übernahmen begleitet.

Bei Kündigung eines Vorstandsmitglieds wird es kompliziert

Ein Vorstandsmitglied dagegen, also jemand wie Knirsch oder Hohmann-Dennhardt, lässt sich nicht so einfach rauswerfen, wenn er dem Aufsichtsrat oder den Inhabern nicht (mehr) passt.

Denn ein Vorstandsmitglied hat ein sogenanntes gesellschaftliches Organverhältnis mit dem Unternehmen. Er arbeitet eben nicht einfach nur dort, sondern übernimmt die Geschäftsleitung mit allen Rechten und Pflichten. Um diese Funktion mit sofortiger Wirkung und ohne fette Abfindung zu verlieren, muss ein wichtiger Grund vorliegen. Minderleistungen oder Antipathie zählen auf dieser Ebene nicht als Entlassungsgrund. Diese wichtigen Gründe, so will es Paragraph 84, Absatz 3 des Aktiengesetzes, sind:

• Verschweigen von für das Dienstverhältnis bedeutenden Vorstrafen

• Ausübung einer nicht genehmigten Nebentätigkeit

• Missbrauch der Vertretungsmacht

• bewiesene strafbare Handlungen, wie Diebstahl, Betrug oder Untreue

Vorstände sind sehr gut abgesichert

Der Hauptgrund, weshalb Vorstände gehen sollen, sei aber leider nicht das gestohlene Tafelsilber, sondern Minderleistungen, so Lüthge. "Bei übereifrigen oder zu selbstbewussten Führungskräften geht ab und zu auch schon mal beim Einstieg etwas schief. Dann kann es auch schon mal vorkommen, dass Unternehmen sehr zügig wieder die Reißleine ziehen."

Zwar kann die Hauptversammlung dem Vorstand das Vertrauen entziehen, worauf der- oder diejenige auch sofort die Koffer packen müsste. Allerdings haben Vorstände in der Regel auch einen Dienstvertrag, mit dem sie sich gegen einen derartigen Rauswurf absichern können. Wenn darin steht, dass ein Vertrauensentzug nicht zum Vertragsende führt, arbeitet der Geschasste zwar nicht mehr als Vorstand, bekommt aber weiterhin seine Bezüge. So blieb auch der ehemalige VW-Chef Martin Winterkorn nach seinem Rücktritt weiter bei VW angestellt. Nur war er eben kein CEO mehr.

Seinen Dienstvertrag noch bis Ende 2016 weiter zu bezahlen, war für den Konzern deutlich günstiger, als eine Auflösung. Medienberichten zufolge erhält Frisch-Rentner Winterkorn seit Januar außerdem eine Betriebsrente in Höhe von 3100 Euro – pro Tag.

JobAgent | FÜHRUNGSKRÄFTE

Gehälter