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Harmonie im Büro
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Erfolgreiches Management

Ruhepausen für ein harmonisches Arbeitsklima

Lilian Fiala, Sarah Sendner, wiwo.de
Der schlaflose Erfolgsmanager ist ein Mythos. Denn er schadet nicht nur seinem Körper. Seine Müdigkeit ist Gift für die Teamführung.
Um sieben Uhr morgens ist Jörg Schäfers Flug in Düsseldorf gelandet, eben stand er noch am Gepäckband, jetzt ist es gerade mal acht, er sitzt am Konferenztisch, atmet durch – und schon nach wenigen Minuten meldet sich sein Körper.

Am Vorabend war Schäfer in Chicago gestartet. Der Nachtflug dauerte neun Stunden. Schäfer schlief nur kurz und unruhig, wie so oft. Ihm und seinem Bruder gehört GTP Schäfer, ein Zulieferer für die europäische Gießereiindustrie. Das Unternehmen hat etwa 100 Mitarbeiter und produziert in Deutschland und den USA, mit zwei Betriebsgesellschaften in Indien und China. Daher sitzt Jörg Schäfer oft im Flugzeug.

Im Konferenzraum holt ihn sofort die Müdigkeit ein. Und er merkt: Den anderen geht es genauso. Die Kollegen diskutieren zwar kontrovers, aber viel Produktives kommt dabei nicht herum. Wir lösen keine Probleme, sondern schaffen neue, denkt Schäfer. Wir beseitigen keine Konflikte, sondern provozieren Missverständnisse. Wir klären keine Verantwortlichkeiten, sondern weisen Schuld zu. "Wer müde ist, argumentiert weniger konstruktiv und emotionaler", sagt Schäfer. "Darunter leiden das ganze Team und die Qualität der Arbeit."

Wenig schlafen ist Grund zur Sorge

Mit dieser Einschätzung steht Schäfer nicht allein. Sicher, noch immer gibt es Topmanager und Politiker, die damit prahlen, wie wenig Schlaf sie brauchen. Tesla-Chef Elon Musk, US-Präsident Donald Trump oder Apple-Chef Tim Cook zum Beispiel brüsten sich mit der Behauptung, Wenig-Schläfer zu sein.

Doch im Zeitalter der Achtsamkeit gewinnt die gesunde Nachtruhe eine neue, fast existenzielle Bedeutung. Auch weil sich die Wissenschaft längst einig ist: Wenig schlafen ist kein Grund für falschen Stolz – sondern Grund zur Sorge. Wer morgens müde ins Büro kommt, trifft nicht nur schlechtere, riskantere Entscheidungen. Sondern Schlafmangel belastet auch das Verhältnis zwischen Chef und Mitarbeitern, belegen neue Untersuchungen – ist Gift für Teamführung und Zusammenarbeit.

Das weiß auch Lennart Knaack, Mitinhaber des Kölner Schlaflabors Intersom. Der Arzt therapiert seit mehr als 20 Jahren Menschen mit entsprechenden Störungen. "Wer dauerhaft unter Schlaflosigkeit leidet", sagt der Experte, "lebt oft zurückgezogen und wird depressiv." Und das führe fast zwangsläufig zu aggressivem Verhalten. Knaack: "Konflikte mit dem Chef und den Kollegen sind dann programmiert." Die einen Betroffenen nehmen jede Kritik persönlich und reagieren mit Gegenangriffen statt mit Einsicht. Die anderen kommunizieren Arbeitsaufträge ungenau und ärgern sich infolgedessen über scheinbar unfähige Mitarbeiter. Statt höflicher Aufforderungen formulieren die Menschen lieber schroffe Anweisungen.

Schlechte Schlaf-Qualität durch ständige Erreichbarkeit

Diese Einsicht setzt sich langsam auch in den obersten Chefetagen durch: Amazon-Chef Jeff Bezos etwa schläft jede Nacht acht Stunden. Die Medienunternehmerin Arianna Huffington hat dem Thema sogar ein ganzes Buch gewidmet. In ihrer "Schlaf-Revolution" beschreibt sie, wie sie ihre nächtlichen Gewohnheiten umstellte und nun ein ausgeglicheneres Leben führt. Zu dieser Umstellung gehörten nicht nur eine gesündere Ernährung und mehr Sport, sondern auch die Verbannung sämtlicher Technologie vom Nachttisch.

Denn längst ist klar: Das blaue Licht von Handy- und Laptopbildschirmen verhindert ruhigen Schlaf. Trotzdem missachten die meisten den Rat von Wissenschaftlern, das Smartphone aus dem Schlafzimmer zu verbannen. Eine US-Umfrage ergab: Jeder fünfte unter 25-Jährige blickt immer auf sein Handy, wenn er nachts aufwacht.

Kein Wunder, dass sich viele Menschen über die Qualität ihres Schlafes beklagen. In einer Forsa-Umfrage sagten 42 Prozent der Teilnehmer, sie würden grundsätzlich schlecht schlafen. Hauptgrund war bei 55 Prozent eine schlechte Zeiteinteilung: Die Teilnehmer erklärten, sie kämen zu spät ins Bett und mussten zu früh wieder raus. Das könnte unter anderem daran liegen, dass die Deutschen auch wesentlich früher aufstehen als andere EU-Länder – nämlich um 6.23 Uhr. Die Briten stehen im Durchschnitt erst eine halbe Stunde später auf, die Spanier sogar erst um 7.36 Uhr.

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