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Um Kritik zu äußern, muss man sich vor allem eines: Zeit nehmen.
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Feedbackkultur

Regeln für Führungskräfte

Teil 2: Gutes Kritisieren erfordert Erfahrung und Menschenkenntnis

Regel drei: Konkretes Verhalten kritisieren

Für Führungskräfte ist es zudem wichtig, Kritik möglichst konkret und beispielhaft an Situationen zu beschreiben. Verallgemeinerungen führen zu einer Abwehrreaktion des Kritisierten. Dazu braucht es die sogenannten ZDFs, also Zahlen, Daten und Fakten. Dabei sollten auch die möglichen Auswirkungen des Verhaltens zum Beispiel auf den Kunden oder das Team sollten beschrieben werden. "Hat die Führungskraft ihre Punkte klar dargestellt, ist wichtig, dass der Mitarbeiter Gehör für seine Sichtweise erhält", sagt Hofbauer.

Dies sei deshalb wichtig, damit die Führungskraft seine Perspektive mit der seines Mitarbeiters abgleicht, um eventuell neue Informationen zu erhalten oder auch berechtigte Gründe seines Gegenübers für sein Verhalten zu erhalten, wie beispielsweise unzureichende Informationen über Rahmenbedingungen.

Regel vier: Vereinbaren Sie Maßnahmen für die Zukunft

"Danach sollten beide Perspektiven abgeglichen und überprüft werden, inwieweit ein Konsens beziehungsweise Dissens vorhanden ist. Im letzten, besonders wichtigen, Schritt werden konkrete Ziele und Maßnahmen vereinbart, was erreicht beziehungsweise verändert werden soll, damit sich der Sachverhalt beziehungsweise das Verhalten des Mitarbeiters entsprechend verändert", sagt Hofbauer. "Die Führungskraft, also in den allermeisten Fällen der/die Kritisierende, sollte alles daran setzen, dass das Kritikgespräch im Idealfall im besten Fall motivierend, mindestens aber gesichtswahrend verläuft.

"Hierzu gehört natürlich auch eine gewisse Erfahrung und Menschenkenntnis", ergänzt Völkel-Kitzmann. Gerade wenn es um das Äußern von Kritik geht, haben viele Führungskräfte damit ein Problem – dabei zählt es unweigerlich zu ihren wichtigsten Aufgaben. Denn nur so können sich Mitarbeiter weiterentwickeln und verbessern.

Über kurz oder lang werden es die Mitarbeiter auch danken, nämlich dann, wenn sie verstehen, dass es auch vom Chef Mut erfordert, zu kritisieren. Denn letztlich ist die Situation für beide unangenehm. Umso besser, wenn das Gespräch gesucht wurde, denn das bedeutet nicht zuletzt auch, dass weiterhin Interesse an einer Zusammenarbeit besteht.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 16.08.2017

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