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Die meisten Deutschen sind zwar mit ihrem Job zufrieden - nicht aber mit ihrem Boss.
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Unzufrieden mit Führungskräften

Rebellion im Büro

Kerstin Dämon, wiwo.de
Die meisten Deutschen sind zwar mit ihrem Job zufrieden - nicht aber mit ihrem Boss. Deshalb setzt sich so mancher über dessen Anweisungen hinweg. Für Unternehmen ist das fatal.
Ob autoritär oder laissez-faire: Jeder Unternehmer, jede Teamleiterin und jeder Abteilungsleiter hat einen eigenen Führungsstil. Welcher der Richtige ist, wird heiß diskutiert. Die Antwort ist immer irgendwie auch von irgendwelchen Moden abhängig – und von der wirtschaftlichen Lage eines Betriebs: In einem Unternehmen, das gerade der wirtschaftlichen Katastrophe entgegenschlittert, findet man wahrscheinlich den Typ "starker Mann", geht es dem Unternehmen gut, sind auch mal flache Hierarchien und Harmonie angesagt.

Viel wichtiger, als die Frage, welcher Führungsstil gerade nötig oder angesagt ist, ist die, ob sich Führungskräfte und Mitarbeiter einig sind. Der Personaldienstleister Haufe hat gemeinsam mit TNS Infratest 400 Führungskräfte und 800 Mitarbeiter befragt, um unter anderem herauszufinden, wie Führungskräfte heute führen und Mitarbeiter geführt werden wollen. Das wenig überraschende Ergebnis: Was die einen wollen, wollen die anderen nicht. Und was die einen glauben, zu tun, beurteilen die anderen ganz anders. 

Führungskräfte und Mitarbeiter haben verschiedene Ansichten

So sagen 33 Prozent der Führungskräfte, dass die Zusammenarbeit im Unternehmen einem agilen Netzwerk gleiche: Bei Bedarf entstehen Projektgruppen, alles ist variabel, alle sind gleichberechtigt.

Dagegen sagen 41 Prozent der Mitarbeiter, dass ihr Vorgesetzter eher klassisch hierarchisch mit geringem Handlungsspielraum für die Angestellten führt: Der Häuptling befiehlt, die Indianer springen.

Das macht auf Dauer unzufrieden. Doch nicht nur das. "Generell vermissen unzufriedene Mitarbeiter vor allem eines: Anerkennung für ihre Leistung", sagt Bernhard Münster, Initiator der Studie. So nennen 58 Prozent der Mitarbeiter fehlendes Lob als Hauptgrund für ihre Unzufriedenheit, gefolgt von dem Gefühl, sich nicht entwickeln zu können (50 Prozent). Letzteres ist vor allem bei Mitarbeitern in starken Hierarchien besonders ausgeprägt. Die Konsequenz: Knapp jeder dritte Mitarbeiter setzt sich zumindest zeitweise über die Entscheidung seines direkten Vorgesetzten hinweg. Laut den Mitarbeitern tun sie das, um langwierige Abstimmungsprozesse zu vermeiden oder weil sie glauben, dass ihr Chef ohnehin keine Ahnung von Markt- oder Kundenanforderungen hat.

Wertschätzung bringt Vertrauen, Vertrauen bringt Gehorsam

Die Studie belegt: Ein Chef, der lobt, anerkennet und seinen Leuten Handlungsspielraum gibt, kann bei Bedarf gern mal mit der Faust auf den Tisch schlagen. Die Motivation der Belegschaft nimmt dadurch keinen Schaden. "Im Zeitalter der Wissensarbeit sind Mitarbeiter die wichtigste Ressource für Unternehmenserfolg – und müssen entsprechend wertschätzend und individuell geführt werden", sagt auch Münster. Wer seine Leute dagegen in zu starre Korsetts presst und ihnen nicht traut, braucht sich dagegen nicht wundern, wenn die Meute rebelliert - und sei es nur dadurch, dass sie nicht tut, was man ihr sagt.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 19.10.2016

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