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Digitalisierung erfordert einen Kulturwandel
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Arbeitsklima

Profitieren von einer digitalen Unternehmenskultur

Teil 3: Partizipation besser funktional einsetzen

Dafür sei es aber wichtig, dass schnelle Entscheidungen getroffen werden. Allgemein ist Penning – entgegen des Trends – kein Freund von allumfassender Beteiligung. "Partizipation gilt es funktional einzusetzen. Sie muss stets einen konkreten Zweck erfüllen. Sonst ist sie wirkungslos oder eher hinderlich." Wer das komplette Unternehmen vom Pförtner bis zum CFO darüber abstimmen lasse, ob die Expansion nach China eine gute Idee ist, lähme sich nur selbst. "Gerade in der Kulturentwicklung ist es die zentrale Aufgabe der Top-Führungskräfte, die Veränderungen ganz bewusst zu steuern", sagt Penning. "Dazu bedarf es einer klaren Linie."

Ob das Unternehmen letztlich Top down oder Bottom up geführt werde, oder ob es flache Hierarchien mit einem Entscheider an der Spitze gebe, sei dagegen egal, sagt Penning. "Auf den Mix kommt es an. Manche Situationen erfordern das eine oder andere Modell."

Lernen vom Himalaya-Staat Bhutan

Unternehmensretter Fox setzt dagegen mehr auf die Methode des Staates Bhutan – nämlich Gross National Happiness oder Bruttonationalglück.

Die Basis dieses Modells sind der adäquate Lebensstandard, unbeeinträchtigte Gesundheit, psychisches Wohlbefinden und ganzheitliche Bildung der Bevölkerung. Hinzu kommen gute Regierungsführung, Schutz der Umwelt, Bewahrung der nationalen Kultur und ein lebhaftes Gemeindeleben. Diese Punkte sollten auch Unternehmen berücksichtigen, findet Fox.

In seinem Buch "Bionische Unternehmensführung", das jetzt erschienen ist, beschreibt er, was Unternehmen von dem Himalaya-Staat lernen können. Fox erläutert hier nicht nur seine eigenen Erfahrungen aus zwei Jahrzehnten Unternehmensführung, er untermauert sie auch mit den neuesten Erkenntnissen der Motivations- und Gehirnforschung sowie den jüngsten Forschungsergebnissen der Behavioral Economics.

Demnach müsse zunächst der Lebensstandard der Mitarbeiter – sprich: die Vergütung – garantiert sein. Denn wer von seinem Gehalt nicht gut leben kann, ist weder motiviert noch kreativ. Fox spricht hier von einem Tiger im Raum, der die ganze Aufmerksamkeit der Mitarbeiter auf sich zieht.

Über den eigenen Tellerrand schauen

Auch die Gesundheit der Angestellten gehöre zu den Pflichten des Unternehmens. Fox empfiehlt in seinem Buch eine Mischung aus Prävention und Unterstützung im Bedarfsfall. Die Weiterentwicklung von Kompetenz aller Mitarbeiter sei der Garant für Innovationen. Eine nachhaltige Führung, die nicht nur die Interessen des Shareholders befriedigt, sorge für geringe Fluktuation – und Vertrauen.

Damit auch die Kunden treu bleiben, müsse ein Unternehmen Gesamtverantwortung für den Lebenszyklus der Produkte oder Dienstleistungen übernehmen – und zwar vom Rohstoff bis zur Entsorgung. Wer über den eigenen Tellerrand hinauszublicken bereit sei, sorge allein dadurch für die nötige Unternehmenskultur, die Veränderungen – seien es digitale oder analoge – ermöglichen.

Fox: "Wir werden für unsere Zukunft beides entwickeln müssen – Führungsqualitäten, die die Bereitschaft beinhalten können, auf das Meer hinaus zu segeln, ohne immer genau zu wissen, wie weit das Ziel noch entfernt ist, sowie Organisationen, die bereit sind, sich kollektiv auf diese Reise einzulassen."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 21.04.2017

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