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Mit dem Chefwechsel sind häufig große Erwartungen verbunden
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Neue Unternehmergeneration

Mit dem Chefwechsel wird es für die Mitarbeiter ernst

Teil 2: Nach dem Chefwechsel folgt erst mal eine kurze Talfahrt

Gründer- und Entrepreneurshipforscher Harald Habermann weist in seinem Beitrag "Business takeovers and firm growth: Empirical evidence from a German panel" unter anderem nach, dass die Mitarbeiterzahl nach einem Wechsel meist zunächst abnimmt. Für seine Analyse hatte er Daten von 1.872 Unternehmen verwendet.

Bei börsengehandelten Unternehmen sei die Performance nach einem Chefwechsel schlechter als zuvor. Das sei insbesondere dann der Fall, wenn der neue CEO ein Familienmitglied sei. So seien in den ersten drei Jahren nach dem Wechsel die Kapitalerträge der familiengeführten Unternehmen um 18 Prozent und das Kurs-Gewinn-Verhältnis um 14 Prozent niedriger als bei Unternehmen, deren neuer CEO nicht zur Familie gehört. Ganz ähnliche Ergebnisse liefern Studien aus Kanada, Dänemark und den USA.

Ist die Eingewöhnungsphase überwunden, geht es bergauf

Allerdings zeigen alle diese Untersuchungen, dass nach diesem temporären Knick die familiengeführten Unternehmen beim Mitarbeiterwachstum die Konkurrenz hinter sich lassen. Über einen Zeitraum von sechs Jahren liege das Mitarbeiterwachstum um 15 Prozent über dem der familienfremdgeführten Unternehmen. Bei den deutschen Betrieben wachsen nach der Eingewöhnungsphase auch die Umsätze stärker.

Der beschriebene Wachstumsknick nach dem Chefwechsel tritt laut Habermann vor allem dann auf, wenn es der erste Generationenwechsel im Unternehmen ist. Geht das Unternehmen an die dritte, vierte oder fünfte Generation über, bleiben Umsatzknick und Mitarbeiterrückgang in der Regel aus.

Gewappnet für zukünftige Entwicklungen

Für die deutschen Betriebe, die in den kommenden fünf Jahren einen neuen Chef bekommen werden, heißt das: Sie sollten sich wappnen für den Knick. Gemäß der Commerzbank-Mittelstandsstudie sind nämlich 50 Prozent der deutschen Unternehmen (mit mindestens 2,5 Millionen Euro Jahresumsatz) jünger als 30 Jahre. Dass es sich bei ihnen um die erste Übergabe handelt, ist also recht wahrscheinlich.

Beim Automatisierungsspezialisten Pilz ist man in diesem Punkt entspannt. "Wir waren uns immer einig, dass Pilz seine Wachstums- und Internationalisierungsstrategie fortführt. Wir wollen wachsen, aber nicht um jeden Preis", sagt Noch-Chefin Renate Pilz. Diesen Weg wollen auch ihre Kinder weiterhin beschreiten, so die Unternehmerin. Tochter Susanne und Sohn Thomas sitzen allerdings auch schon mehr als zehn Jahre gemeinsam mit der Mutter in der Geschäftsführung. Dass die beiden ab 2018 aus reiner Unerfahrenheit schwerwiegende unternehmerische Fehler machen, ist also relativ unwahrscheinlich. Entsprechend unbesorgt ist Pilz Senior, was die weiteren Pläne ihrer Kinder angeht. "Es ist genau der Weg, den mein Mann, Peter Pilz, und später auch ich beschritten haben – daher freue ich mich auf die Zukunft des Unternehmens."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 08.05.2017

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