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Muss ein Vorstandschef sehr viel verdienen, weil er die Verantwortung für oft Zehntausende Mitarbeiter trägt?
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Ungesunder Wettbewerb

Millionengehälter als Magnet für gute Manager?

wiwo.de, dpa
Im Jahr des Bundestagswahl sorgen üppige Managergehälter für Zündstoff. Doch von gesetzlichen Begrenzungen halten viele Experten nichts – sie sehen andere Wege.
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz prangert sie in seinem Wahlkampf für mehr Gerechtigkeit an, Deutsche-Bank-Chef John Cryan spricht von "ungesundem Wettrüsten" und selbst liberale Aktionärsvertreter fordern eine Obergrenze: Die Debatte um Managergehälter kocht wenige Monate vor der Bundestagswahl wieder hoch. Schon lange stehen hohe Gehälter für Vorstandschefs oder üppige Boni für Banker in der Kritik. Doch durch den Fall von Ex-VW Vorstandsmitglied Christine Hohmann-Dennhardt, die nach 13 Monaten im Amt 12 Millionen Euro Abfindung bekam, scheint das Fass übergelaufen.

So will die SPD die steuerliche Absetzbarkeit von Managergehältern als Betriebsausgaben für Firmen begrenzen. Auch die CDU plädiert für strengere Regeln – Finanzstaatssekretär Jens Spahn will aber lieber die Aktionäre entscheiden lassen. Denn auch die Union – traditionell bedacht auf wirtschaftsfreundliche Wähler – weiß: Das Thema zieht. Eine zentrale Frage lautet: Muss ein Vorstandschef sehr viel verdienen, weil er die Verantwortung für oft Zehntausende Mitarbeiter trägt? Kritiker haben nur begrenzt dafür Verständnis. "Wenn ein Vorstandsvorsitzender das 148-Fache eines Facharbeiters verdient, dann wird das eben nicht mehr als gerecht empfunden – so viel kann keine Arbeit wert sein", sagte jüngst Ingrid Schmidt, Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts. Zweistellige Millionengehälter gefährdeten den gesellschaftlichen Zusammenhalt. In Zeiten, in denen Populisten bei Wahlen erstarken, bekommt die Debatte so zusätzlichen Zündstoff.

"Die Position des Firmenlenkers wird besonders vergütet"

Relationen wie das 148-fache sind aber die Ausnahme. Laut dem Anlegerschutzverein DSW verdienten Vorstände von Dax-Unternehmen 2015 im Schnitt das 50-fache von durchschnittlichen Mitarbeitern. Seit 2010 sei der Faktor etwas gefallen. "Der Trend zeigt hier in die richtige Richtung der Mäßigung", sagt Gunther Friedl, Professor an der TU München. Die Vorstände verdienen also viel mehr als normale Mitarbeiter, hängen diese aber nicht noch weiter ab.

Ökonomen des Vermögensverwalters Flossbach von Storch sehen aber, dass im Speziellen Vorstandschefs davonziehen. "Die Position des Firmenlenkers wird besonders vergütet", sagt Analyst Philipp Immenkötter. Während das durchschnittliche Gehalt der Mitarbeiter von Dax-Konzernen zwischen 2006 und 2016 um 10,3 Prozent gestiegen sei, hätten die Bosse einen Sprung um gut 24 Prozent gemacht. Sie verdienten 2016 das 84-fache der Durchschnittsmitarbeiter – das zeigten zwei Drittel der bisher vorliegenden Dax-Berichte. 2006 sei es noch das 70-fache gewesen.

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