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Lob kann enorm motivieren
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Mehr als nur ein Schulterklopfen

Teil 2: Strategisches Lob wird schnell durchschaut

Bleibt Lob nach erheblichen Anstrengungen ständig aus, sind manche Menschen nicht nur seelisch enttäuscht. Sie reagieren sogar körperlich. Im Gehirn sind dann Stressreaktionen messbar, belegte der Düsseldorfer Medizinsoziologe Johannes Siegrist in zahlreichen Studien. Die Betroffenen leiden am "erdrückenden Gefühl, vom Chef für die geleistete Arbeit nicht geschätzt zu werden", sagt der Forscher. Und das ist eine schwere Kränkung unserer tief sitzenden Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Fehlt die Anerkennung dauerhaft, können sich deshalb schwere Krankheiten entwickeln, etwa Diabetes oder Depressionen.

Unschöne Erlebnisse beschäftigen das Gehirn nun mal intensiver als angenehme. Wer 50 Euro verliert, ärgert sich stärker, als er sich über den Gewinn von 50 Euro freut. Sozialpsychologen vermuten dahinter evolutionäre Gründe: Für unsere Urahnen war es überlebenswichtig, bedrohliche Situationen zu erkennen – und darauf zu reagieren. Strategisches Lob wittern Mitarbeiter zudem schnell: Wer den Zusammenhalt der Kollegen lobt und kurz darauf Überstunden verkündet, darf sich nicht wundern, wenn die Belegschaft beim nächsten Lob misstrauisch reagiert.

Durch Lob die Angst vor Fehlern nehmen

Eine Erfahrung, die auch Wolfgang Bach gemacht hat. In seinen ersten Jahren als Führungskraft habe er Lob noch taktisch eingesetzt, das aber schnell bereut, sagt der Finanzvorstand des Schraubenspezialisten Ejot aus Bad Berleburg: "Mein Vorgehen war vollkommen durchschaubar." Damals habe er in jedem talentierten Mitarbeiter einen potenziellen Konkurrenten gesehen, heute dagegen sei er souveräner und daher großzügiger mit freundlichen Worten. "Das nimmt den Kollegen die Angst vor Fehlern, sodass sie viel freier arbeiten können." Führungskräfte müssen das rechte Maß finden zwischen Zuspruch und Kritik. Klingt kompliziert? Ist es auch.

Das belegte vor einigen Jahren eine Untersuchung der Universität von Michigan. Die beiden Psychologen Emily Heaphy und Marcial Losada dokumentierten die Leistungen von 60 Teams aus dem Strategiemanagement eines IT-Unternehmens. Außerdem notierten sie, wie deren Vorgesetzte und Kollegen ihre Arbeit kommentierten. Die Anmerkungen reichten von "Sehr gute Idee!" bis zu "Ihren Vorschlag ziehen wir gar nicht erst in Betracht".

Wer gerne tadelt, muss umso mehr loben

Die anschließende Analyse ergab: Selbst jene Gruppen, die in ihrem Alltag doppelt so häufig Lob wie Tadel zu hören bekamen, erzielten nur durchschnittliche Leistungen. Die besten Teams dagegen hatten sechs Mal mehr positive Kommentare erhalten als negative. Am schlechtesten schnitten erwartungsgemäß Manager ab, die überwiegend kritisiert und nur selten gelobt wurden. Wer also gerne tadelt, muss umso mehr loben. Viele Unternehmen greifen dabei zu einem vermeintlich cleveren Trick und koppeln Lob an materielle Versprechen. Wie dressierte Äffchen, die ab und zu eine Banane bekommen, strengen sich Angestellte nach warmen Worten und einem dicken Bonus umso mehr an. Doch was theoretisch gut klingt, funktioniert in der Praxis selten.

Der Sozialpsychologe Edward Deci von der Universität Rochester wertete für eine Übersichtsstudie 128 Untersuchungen zum Thema aus. Sein Fazit: Belohnungen am Arbeitsplatz lassen die Eigenmotivation der Mitarbeiter im Durchschnitt um ein Viertel einbrechen. Ist die Höhe der zu erwartenden finanziellen Zuwendung vorher schon bekannt, sinkt sie sogar um 36 Prozent. "Wer seine Arbeit nur noch als Instrument sieht, um an eine Belohnung zu gelangen, erledigt sie so simpel wie möglich", sagt Deci.

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