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Beim Chef spüren wir schnell, wenn etwas nicht stimmt
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Emotionale Führung

Kein Raum für schlechte Stimmung

Louisa Lagé, wiwo.de
Wenn der Chef schlechte Laune hat, leiden alle. Für viele Mitarbeiter ist es aber genau die Stimmung, die sie motiviert und hält. Wie man am besten mit Schlechte-Laune-Chefs umgeht.
Der Chef hat permanent schlechte Laune und sorgt damit dafür, dass im Büro niemand aufbegehrt. Das kann funktionieren, aber auch das ganze Team und die Motivation der Mitarbeiter zerstören. Vaya Wieser-Weber ist Expertin für Emotionskompetenz und erklärt, wie man am besten mit Schlechte-Laune-Chefs umgeht.

Warum ist die Laune von Chefs so ansteckend?

Vaya Wieser-Weber: Jeder kennt das: Ein Hallo auf der anderen Seite der Leitung und wir wissen sofort, unserem Freund geht es nicht gut. Seine Stimmung hat sich direkt auf uns übertragen. Beim Chef spüren wir genauso schnell, wenn etwas nicht stimmt. Das ist auch verständlich, denn ein Chef kann Anweisungen geben ohne Rücksichtnahme, Ziele durchsetzen trotz Widerstand, Sanktionen erlassen, er kann bevorzugen und er kann feuern. So hat ein Chef im wahrsten Sinne des Wortes Macht über seine Mitarbeiter, denn sie stehen bei ihm in Lohn und Brot – sind also in gewisser Hinsicht von seinem "Goodwill" abhängig. Deshalb sind Mitarbeiter auf seine Laune feinkalibriert. Sie lernen innerhalb kürzester Zeit, die Zeichen zu lesen und erkennen bereits am Gang ins Unternehmen, an der Farbe der Krawatte oder an der Art, wie der Chef den Schlüssel ablegt, wie die Stimmung ist.

Was ist das Problem mit schlechter Laune bei Chefs?

Nun, da Zugehörigkeit und Sicherheit zu unseren wichtigsten Antriebsfedern gehören, bringt die schlechte Laune des Chefs ein Team emotional in die Bredouille – den einen mehr, den anderen weniger. Sie lenkt den Fokus des Teams von den eigentlichen Aufgaben weg hinzu folgenden Gedanken: "Was ist passiert? Habe ich einen Fehler gemacht? Wie wird der Tag ablaufen? Wer kommt heute dran? Hoffentlich beruhigt er sich bald." Je launischer ein Chef ist, je unberechenbarer sein Verhalten umso mehr beschäftigen sich die Mitarbeiter also mit ihm und weniger mit ihren eigentlichen Aufgaben. Ein Teil ihrer Energie verbleibt also bei der Beobachtung des Chefs. Es ist als würde das Team mit angezogener Handbremse fahren.

Welche Auswirkungen hat so ein schlechte-Laune-Klima?


Jeder, der schon mal einen schwierigen Chef hatte, kann davon ein Lied singen wie belastend das sein kann. Im schlimmsten Falle wirkt die Laune des Chefs sogar auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Nicht umsonst sind Krankheitsstatistik und Fluktuation ein guter Gradmesser, ob sich Menschen bei ihrem Chef wohlfühlen oder nicht.

Umgekehrt wirkt natürlich auch: Ein gut gelaunter, relaxter Chef wirkt wohltuend auf die Teamstimmung, die Leute sind entspannt und können sich auf ihre Aufgaben konzentrieren. Sie fühlen sich sicher und aufgehoben. Und ist er gut gelaunt, sind sie es auch – als nichts besseres, wenn Menschen Kundenkontakt haben.

Ein Chef ist also immer der emotionale Leithirsch in seinem Team. An seiner Laune orientiert sich die Laune des Teams und somit dessen Leistungsbereitschaft.

Haben Schlechte-Laune-Chefs auch wirtschaftliche Auswirkungen?

Ich habe es in meiner Laufbahn auch schon erlebt, dass Teams es nach Jahren mit einem jähzornigen Chef schafften sich zu solidarisieren und gerade dadurch eng zusammenwuchsen. Nichtsdestotrotz kostet dies das Unternehmen viel Arbeitszeit, denn nach jedem Chef-Ausbruch schließen sich die Mitarbeiter kurz, treffen sich in der Kantine und tauschen sich zum gegenseitigen trösten, ausrichten und aufrichten aus. An Arbeit wird in solchen Momenten wenig gedacht. Da müssen sich zuerst alle wieder beruhigen.

Wie kann man schlechte Laune in den Griff kriegen?

Da gibt es zwei Ebenen. Die eine schlechte Laune, die jeden von uns dann und wann mal erfasst und dann der Frust auf ein Leben, was als nicht erfüllend wahrgenommen wird.

Bei der "temporären" schlechten Laune geht es darum, sich diese überhaupt bewusst zu machen: "Wie bin ich gerade drauf? Und was ich kann ich jetzt tun, damit es mir schnell wieder besser geht?". Im Seminar erlernen Führungskräfte viele Tricks und Kniffe, sich selbst zu führen und ihren Zustand dahingehend zu managen, dass sie schneller und flexibler in ihrem emotionalen Zustand "Switchen" können. Das erfordert Übung und Disziplin und setzt natürlich ein "Wollen" voraus.

Auch empfehle ich, den Griff an der Eingangstüre des Unternehmens als Anker zu nutzen, sich zu erinnern und bewusst zu machen, dass sie mit dem Gang durchs Unternehmen die emotionale Richtung des Tages setzen. Dazu gehört auch, sich innerlich aufzurichten, mitunter den Ärger auf den Stau, den Streit mit dem Partner, die Beklemmung nach den Nachrichten im Radio beiseite zu schieben und sich somit auf die Mitarbeiter bewusst einzustellen.

Und wie ist das mit dem Frust aufs Leben?


Temporäres Zustandsmanagement wirkt nicht wirklich, wenn der Chef sich in seinem Leben nicht (mehr) wohlfühlt. Es gibt nicht wenige Chefs, die neben der Arbeit kaum Raum haben, um sich emotional positiv aufladen können. So etwas beleuchten wir zum Beispiel in Seminaren. Hier muss man Möglichkeiten schaffen, um sein Leben neu zu denken, um mehr Spaß, Genuss und Erholung zu integrieren. Denn wer sein Leben geniesst, ist meist auch geniessbarer für seine Umgebung.

Was bedeutet emotionale Führung?

Emotionale Führung bedeutet die eigenen als auch die Emotionen anderer zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren bzw. sie zu nutzen. Es hat viel mit Selbsterkenntnis und Selbststeuerung zu tun. Es geht einerseits darum, zu bemerken und reflektieren zu können, in welchem emotionalem Zustand man sich befindet und wie man ihn verändert. Andererseits geht es darum zu bemerken, welche emotionalen Zustände man in der Interaktion mit anderen auslöst oder auslösen möchte. Dazu gehört Präsenz, Wachheit und Beobachtungsgabe. Beispielsweise sind viele Führungskräfte bei Gesprächen sehr mit sich selbst beschäftigt und bemerken überhaupt nicht, was das Gesagte beim anderen macht. Dasselbe gilt für Teams: Woran erkennt man, dass es in einem Team brodelt und woran erkennt man, dass ein Team im Flow ist? Die Antwort liegt auf der Hand. Emotional intelligente Führung bedeutet also, empathisch zu sein, schlechte Laune zu erkennen, im Bestfall zu vermeiden oder so damit umzugehen, dass sich die Stimmung wieder bessert.

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