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Schlechte Mitarbeiterführung
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Schlechte Mitarbeiterführung

Inkompetenter Chef – was tun?

Teil 2: Eine kritische Selbstreflexion hilft weiter

Der Professor für Leadership an der FernUniversität Hagen empfiehlt daher, sich selbst und die Unzufriedenheit mit dem Chef zu hinterfragen: Wird man wirklich schlecht behandelt? Wie nehmen Kollegen das wahr? Liegt es an der Situation? Ist man vielleicht selbst mitverantwortlich? Oder liegt es alleine am Chef?

Kommt man zu dem Schluss, dass man selbst nicht schuld ist, empfiehlt Weibler, sich mit dem Werk des US-Ökonomen Albert Hirschman vertraut zu machen. Dieser empfahl unzufriedenen Mitarbeitern wie Kunden das Prinzip "Exit, Voice or Loyalty". Man könne das Unternehmen verlassen (Exit), seinen Unmut kundtun und auf Veränderung hoffen (Voice) oder einfach an Bord bleiben, ohne etwas zu ändern (Loyalty).

Konstruktive Kritik üben

Die erste Option sollte sein, dem ungeliebten Chef die aktuelle Situation zu schildern. Viele Studien zeigen, dass man sich besser fühlt, wenn man soziale Kontrolle über sein Umfeld ausüben kann, selbst wenn diese nur gefühlt ist. Ergreift man die Initiative, übernimmt man auch wieder ein Stück weit Kontrolle.

"Das Gespräch zu suchen ist immer eine große Hürde, besonders wenn die Führungskultur sowieso schon schlecht ist", sagt Weibler, "Es nicht zu tun, wäre aber fahrlässig." Dabei sollte man möglichst konkret sagen können, was einen stört. Und möglichst konstruktive Vorschläge machen, wie man das ändern könnte.

Es geht darum, zu vermitteln, was man wahrgenommen hat, warum man es ändern will und wie man das gemeinsam erreichen kann. Taktieren und im Gespräch tricksen hält Jürgen Weibler nicht für ratsam. "Man sollte sich nicht selbst verleugnen müssen", so der Professor, aber: "Wenn das direkte Gespräch nichts bringt, sollte man sich an den nächsthöheren Vorgesetzten wenden."

Kündigung als letzter Ausweg

Die Möglichkeit, Einfluss auf den Vorgesetzten zu nehmen, kann auch von der Organisation erwünscht sein. Bei Google zum Beispiel müssen Mitarbeiter ihre Chefs für Führungspositionen vorschlagen.

Nützt das Gespräch nichts, können frustrierte Mitarbeiter natürlich trotzdem bleiben. Weil man sich der Organisation verbunden fühlt, den Produkten oder Ideen und die Befriedigung daraus das Leid durch den Vorgesetzten überkompensiert. "Im Fußball würde man sagen, mir ist der Verein wichtig oder das Spiel an sich und nicht der Trainer", sagt Weibler.

Oder man wählt, wenn die Situation unerträglich wird, die dritte Option: den Exit. Dann kann man sich immer noch mit einer Tatsache trösten, die die Forscher Morgan McCall, Mike Lombardo und Ann Morrison in ihrem Klassiker der Management-Literatur "Erfolg aus Erfahrung" herausgearbeitet haben: Von schlechten Chefs kann man sich zumindest abschauen, wie man später einmal nicht führen will.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 23.08.2017

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