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Unternehmen brauchen mehr Querdenker – unangepasste Führungskräfte, die Gewohntes in Frage stellen.
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Besser als die Konkurrenz

Erst Querdenker machen Unternehmen innovativ

Thorsten Beckmann, wiwo.de
In deutschen Führungsetagen herrscht zu viel Gleichheit. Das mag harmonisch sein, führt aber nicht zum Erfolg. Unternehmen brauchen mehr Querdenker – unangepasste Führungskräfte, die Gewohntes in Frage stellen.
Kanalisiertes Denken statt eigener Meinung, genormtes Verhalten statt authentischer Selbstständigkeit: Je höher Führungskräfte in der internen Hierarchie aufsteigen, desto mehr passen sie sich an. Sie adaptieren die Meinungen und Verhaltensweisen, die im Unternehmen vorherrschen, nehmen Entscheidungen hin oder entscheiden selbst so, wie es von ihnen erwartet wird. Für die Unternehmen scheint das so erst einmal nicht schlecht: Wo Übereinstimmung herrscht, ist auch Harmonie. Alles läuft smooth und ohne Reibungsverluste. Doch gleichzeitig bringen die Firmen sich damit um ihre Dynamik, werden handlungslahm. Denn die andere Seite der Medaille sieht so aus: Wo zu viel Homogenität und Anpassung herrscht, leidet auch die Kreativität, können keine Innovationen entstehen. Und im Wettbewerb haben die Unternehmen dann das Nachsehen.

Damit Unternehmen lebendig und innovationsfähig bleiben beziehungsweise werden können, brauchen sie, was der Kasseler Kreativitätsforscher und Organisationsentwickler Professor Olaf-Axel Burow als "vitalisierende Kräfte der Unordnung" bezeichnet. Sie müssen so viel Ordnung wie nötig schaffen, aber auch so viel Unordnung wie möglich zulassen.

Mutige Querdenker gesucht

Um dies wiederum hinzukriegen brauchen sie Menschen, die sich trauen, Gewohntes in Frage zu stellen, Vertrautes aus neuer Perspektive zu betrachten, scheinbar Unzusammenhängendes zusammenzubringen. Kurz: Die Unternehmen benötigen unangepasste Mitarbeiter und Querdenker, die sich auf neue abseitige Wege begeben, um kreative neue Lösungen für das Unternehmen zu finden.

Doch die Erkenntnis allein, dass man sich mit stereotypen Managern selbst ein Bein stellt und mehr Freigeister braucht, reicht natürlich nicht aus. Was ist zu tun, um geistige Vielfalt und Lebendigkeit zu fördern? Erster Schritt ist ein Umdenken beim Recruiting. Menschen mit Brüchen im Lebenslauf werden in der Regel aussortiert, Quereinsteigern keine Chance gegeben.


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Doch nicht selten bringen gerade solche Kandidaten einen frischen Wind ins Unternehmen. Es lohnt also, sich solche Bewerber näher anzuschauen: Was war der Grund für den Ausstieg aus einer sicheren Position? Warum so eine lange Auszeit gleich zu Anfang der Karriere? Statt hier zweifelnd zu hinterfragen, sollten die Unternehmen offen und neugierig sein und einmal mehr hinschauen. Kreative Führungskräfte zeichnen sich nämlich häufig durch Mut aus und gehen Wege, die nicht der Norm entsprechen.

Kritische Fragen erlauben und fördern

Umdenken ist aber nicht nur bei der Personaleinstellung, sondern erst recht und vor allem im Business-Alltag gefragt. Unangepasste Menschen haben die Angewohnheit zu widersprechen. Genau das müssen die Unternehmen fördern. Sie müssen quasi eine Kultur des Widerspruches implementieren, ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Widerspruch gut und nötig ist. Dann kann im Team – zumindest peu à peu – Verständnis gegenüber den Querschießern einer allgemeinen Genervtheit weichen.

Laut der Harvard-Professorin Francesca Gino, die viel zum Thema "Konformismus" forscht, spielen Führungskräfte hier eine Schlüsselrolle. Bereits mit kleinen Dingen können diese ihrer Meinung nach dazu beitragen, dass ein Bewusstseinswandel stattfindet. So sollten Chefs ihr Team nie fragen "Wer ist damit einverstanden?", sondern eher: "Was spricht dagegen?". Damit wird ganz deutlich, dass Einwände nicht als störend empfunden, sondern wertgeschätzt werden und als qualitätssichernd gelten.

Unternehmenskultur muss der modernen Führungskultur angepasst werden

Im Unternehmen für mehr Vielfalt und Lebendigkeit zu sorgen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, damit sich Freigeister entfalten können und nicht ausgebremst werden, kommt letztlich einem Paradigmenwechsel gleich. Doch eines ist ganz klar: Er ist nötig. Denn das Rütteln an Gewohnheiten steht den Unternehmen ohnehin unmittelbar bevor – durch die Generationen Y und Z.

Die jungen Nachwuchs-Führungskräfte strömen in die Unternehmen und bringen eine teilweise völlig neue Denke sowie neue Herangehensweisen mit. Sie dürfen mit ihrer Energie, ihrem Können und ihrem Enthusiasmus nicht zerrieben werden zwischen dem Hang zum Kaskaden-Führen à la "So wird bei uns seit jeher geführt, so haben wir das gelernt und so wirst Du das auch übernehmen (denn so bilden wir aus)" und völlig neuen gesellschaftspolitischen Tendenzen.

Kurz: Die Unternehmen müssen dringend reagieren, müssen sich für neue Denk- und Verhaltensweisen öffnen, müssen die Rahmenbedingungen schaffen, damit Andersdenken funktioniert und Früchte trägt. Denn ob Querdenker oder die nachrückenden Generationen, – gewohnte Führungsweisen sowie althergebrachte Normen werden per se in Zukunft mehr und mehr in Frage gestellt.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 21.06.2017

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