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Frauen im Vorstand von Dax-Konzernen
Foto: Sergey Nivens/Fotolia.com
Frauen im Vorstand

Eine seltene Spezies

Claudia Tödtmann, wiwo.de
Die Aufsichtsräte der Dax-Konzerne müssen schon zu einem Drittel aus Frauen bestehen. Bevor es auch in den Vorständen so weit ist, wird es vermutlich 2040, wie eine Studie zeigt. Noch kommen auf 630 Vorstände 47 Frauen.
Die 2015 eingeführte Frauenquote in Führungsetagen von Unternehmen zeigt nach Einschätzung der Bundesregierung erste Wirkung. Dort, wo es verbindliche Vorgaben für die Erhöhung des Frauenanteils gebe, sei die Zahl der Frauen deutlich gestiegen, sagte Frauen- und Familienministerin Katarina Barley. "Endlich kommen die vielen gut qualifizierten Frauen in den Führungspositionen an und scheitern nicht mehr an der gläsernen Decke."

Drei von 160 Dax-Konzernen haben weiblichen CEO

Schaut man sich in den Vorstandsetagen einiger Dax-Konzerne um, sieht die Sache aber schon ganz anders aus: Von den insgesamt 160 Dax 30-, MDax-, SDax und TecDax-Gesellschaften steht nur bei drei Unternehmen eine Frau als CEO an der Spitze. Die großen Ausnahmen sind Angela Titzrath bei Hamburger Hafen Logistik im SDax, Dolores Schendel bei Medigene und Marika Lulay bei GFT Technologies im TecDax.

Auch abgesehen vom Chefsessel sitzt in 75 Prozent der Vorstände dieser Dax-Konzerne keine einzige Frau. Insgesamt kommen in den 160 größten deutschen Unternehmen 47 Vorstandsfrauen auf 630 Männer. Nur in vier Prozent der Dax-Unternehmen gibt es immerhin schon zwei Vorstandsfrauen: Bei der Allianz, Daimler, der Deutschen Bank, Munich Re, Siemens und der Aareal Bank.

Nur ein Viertel der Frauen im Vorstand verantwortet operatives Geschäft


Immerhin: Die Frauen, die im Vorstand sitzen, sind nicht nur Dekoration, sondern teilweise auch für das operative Geschäft verantwortlich. Das gilt jedenfalls für 27 Prozent der Vorstandsfrauen. 22 Prozent verantworten das Personal oder Zentralfunktionen wie Marketing, Forschung oder Compliance. Das zeigt eine Untersuchung des internationalen Beratungsunternehmens EY.

Demnach kann die Finanzbranche den höchsten Frauenanteil vorweisen: hier sind 14 Prozent der Vorstände weiblich. In der Telekommunikation und Logistik liegt der Frauenanteil bei je 13 Prozent. Bei den klassischen Industrieunternehmen und bei der Rohstoffbranche gibt es in den Vorständen nur vier Prozent Frauen.

Frauenquote auch für Vorstand nötig?

Wenn es mit der Förderung der Frauen an den Unternehmensspitzen der Dax-Unternehmen im selben Schneckentempo weiter geht, werden erst im Jahr 2040 ein Drittel der Vorstände Frauen sein, heißt es in der EY-Studie. Dass es auch funktionieren kann, wenn es sein muss, zeigt die Bilanz der Aufsichtsrats-Besetzungen. Seit Anfang 2016 gilt für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten in börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen eine Quote von 30 Prozent. Und selbst wenn es sich bei denen nur um Nebenjobs, also Honorafunktionen handelt, statt Full-Time-Jobs als Angestellte: Bei den Aufsichtsrätinnen in den DAX30-Konzernen ist inzwischen eine Frauen-Quote von 30 Prozent erreicht. "Es gibt genug Frauen, die das können", sagt Ulrike Hasbargen, Partnerin bei EY. Und: "Was für Aufsichtsräte gilt, das gilt auch für Vorstände."


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 21.07.2017

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