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Immer mehr Beschäftigte in Deutschland wünschen sich weniger starre Führungsebenen  im Unternehmen.
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Flache Hierarchien: Eine Gefahr?

Chef kann doch jeder

Teil 2: Besondere Herausforderung für das Mittelmanagement

Die Rolle der Führungskräfte im Mittelbau verändert sich somit in diesem Modell erheblich. Der Vorgesetzte übt weniger Kontrolle aus, braucht auch weniger Fachwissen, sondern muss nur noch wissen, wo er dieses herbekommt und wie er sein Team so zusammenstellt, sodass jeder Mitarbeiter sich bestmöglich einbringen kann. In der Theorie klingt das gut. In der Praxis wird aber gerade für Führungskräfte im Mittelmanagement der Job dadurch noch schwieriger: Eingeklemmt zwischen oberem Management und Fachkräften und ohne echte Befugnisse ausgestattet wird diese Aufgabe zu einer nervlichen Herausforderung. Arbeitspsychologen warnen schon seit Jahren: Ohne echten Handlungsspielraum steigt die Stressbelastung erheblich. Den Stress können auch Führungskräftegehälter oft nicht kompensieren.

Zwar gelten flache Hierarchien als Möglichkeit, die Zufriedenheit der Mitarbeiter am Arbeitsplatz zu steigern – das gilt aber vor allem für diejenigen, die auf den unteren Positionen arbeiten. Wer im Mittelmanagement tätig ist, für den sind flache Strukturen dagegen größere Einschränkungen. Für Unternehmen hat diese Struktur allerdings einen Vorteil: Man kann das Mittelmanagement generell verschlanken und somit Personalkosten sparen.

Verantwortung im Unternehmen fördert die Mitarbeiterbindung

Flache Hierarchien haben aber auch für die Mitarbeiter durchaus Nachteile: Denn erreichen die Beschäftigten die vorgegebenen Ziele nicht – möglicherweise, weil sie unrealistisch sind – tragen sie letztlich auch dafür die Verantwortung dafür. Im schlimmsten Fall wird auch die unternehmerische Verantwortung von oben nach unten delegiert. Wer die Ziele nicht erreicht, ist weg vom Fenster. Völlig egal, ob er oder sie überhaupt bei den Zielen mitbestimmen konnte oder einen Einfluss darauf hatte, ob die nötigen Mittel zur Verfügung stehen, um die Unternehmensziele auch erreichen zu können. Am Ende bleibt der einzelne Arbeitnehmer nämlich weisungsgebunden und abhängig. Und während die Verantwortung von oben nach unten verlagert wird, bleiben die Gewinne und Boni da, wo sie schon immer waren – beim oberen Management.

Dennoch: Flache Hierarchien können auch dazu beitragen, die Mitarbeiter stärker in Entscheidungen einzubeziehen und sie somit ans Unternehmen zu binden. Das fanden die amerikanischen Ökonomen Raghuram Rajan und Julie Wulf schon vor über zehn Jahren in einer Studie für die USA heraus: Schon damals war feststellbar, dass das Mittelmanagement in den USA zunehmend kleiner wurde. Auch für Deutschland konnten Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) diesen Trend beobachten. Beide Studien fanden auch heraus: Der eigentliche Entscheidungsprozess wird dezentralisiert. Das trägt dazu bei, dass Arbeitnehmer Ziele und Entscheidungen auch mittragen, sich stärker mit dem Unternehmen identifizieren und die Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber zunimmt.


Zuerst veröffentlicht auf: zeit.de
Dieser Artikel ist erschienen am 10.04.2017

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