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Immer mehr Beschäftigte in Deutschland wünschen sich weniger starre Führungsebenen  im Unternehmen.
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Flache Hierarchien: Eine Gefahr?

Chef kann doch jeder

Tina Groll , zeit.de
80 Prozent der Fachkräfte wünschen sich flache Hierarchien, stellt eine neue Studie fest. Die Folge ist oft ein Mittelmanagement ohne Befugnisse. Ist das sinnvoll?
Weg mit den Hierarchien: Immer mehr Beschäftigte in Deutschland wünschen sich weniger starre Führungs- und Leitungsebenen und eher flache Strukturen im Unternehmen. Das geht aus einer aktuellen Studie des Jobportals Stepstone und der Beratung Kienbaum hervor. Befragt wurden 12.000 Arbeitnehmer – Fach-, aber auch Führungskräfte – danach, welche Organisationsstrukturen sie bevorzugen. 58 Prozent von ihnen waren Fachkräfte ohne Personalverantwortung, 42 Prozent Führungskräfte aus der oberen und mittleren Managementebene.

Der Trend ist demnach eindeutig: 80 Prozent der Befragten gaben an, dass sie flache Hierarchien bevorzugen und lieber eigenverantwortlich arbeiten. Als flache Hierarchien galten in der Studie solche Strukturen, in denen Mitarbeiter keinen direkten weisungsbefugten Vorgesetzten haben außer der Geschäftsführung.

Den Chef ganz abschaffen, das wollen aber nur die wenigsten. Fast zwei Drittel wünschen sich dennoch eine Führungskraft, die klare Anweisungen gibt – sie aber nicht bei der Umsetzung überwacht. Gut kommunizierte Aufgaben und Ziele ja, aber dennoch frei sein, das Ergebnis der Umfrage entspricht auch dem von anderen Studien.  

Mehr Verantwortung ist gewünscht

Bekannt ist schon lange, dass sich besonders die jüngere Generation viel Freiraum im Job und gleichzeitig regelmäßiges Feedback durch den Vorgesetzten wünscht. Interessant ist: In der Kienbaum-Befragung stellen nun gerade die Älteren diese Forderung. Hier äußerten 75 Prozent der Befragten bis 30 Jahre diesen Wunsch – bei den 52- bis 60-Jährigen waren es sogar 81 Prozent. Aber während 70 Prozent der Jüngeren sich Anweisungen vom Chef wünschen und Feedback haben möchten, sind es bei den Älteren nur 63 Prozent.

Damit wünschen sich die Beschäftigten genau das, was sowieso Führungstrend ist: indirekte Steuerung. Dabei werden die Zielvorgaben von oben gesetzt und nach unten kommuniziert. Wie die Mitarbeiter diese erreichen, können sie allerdings selbst entscheiden. Wenn es noch ein Mittelmanagement gibt, agieren die Führungskräfte hier eher wie ein Berater. Oft haben Vorgesetzte auf dieser Hierarchieebene bei flachen Hierarchien kein direktes Weisungsrecht und keine Prokura mehr. Sie üben eher einen inhaltlichen Managementjob aus, organisieren und kommunizieren – können aber in der Regel keine direkten Personalmaßnahmen durchsetzen. Die Mitarbeiter erleben somit eine vermeintlich größere Freiheit, der direkte Chef ist scheinbar gleichwertig. Sie sind aber auch gezwungen, stärker unternehmerisch zu denken. Und das wollen viele: In der Kienbaum-Studie gaben drei Viertel der Befragten an, dass sie sich generell mehr Verantwortung in ihrem Job wünschten.

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