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Manager und ihre Ausgleichshobbys
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Management ohne Druck

Am Schalthebel zwischen zwei Welten

Kristin Schmidt, wiwo.de
Stress im Job kann sehr positiv wirken, wenn man den Schalter zu Spaß im Leben rechtzeitig umlegt – und hin- und herswitchen kann. Manager sollten das beherrschen. Dabei helfen oft ausgefallene Hobbys.
Zumindest wird es nicht langweilig. Tagsüber sitzt David Solomon in der Chefetage einer Investmentbank, nachts legt er als DJ in Clubs auf, in denen auch Hip-Hop-Legenden wie Snoop Dogg und Sängerin Rihanna feiern.

Mal Anzug und Krawatte, mal T-Shirt und Kopfhörer – Solomon lebt in zwei Welten. "Das ist meine Leidenschaft", sagte der Banker kürzlich über seine Beziehung zu den Plattentellern. Wer eine Passion mit seinem Arbeitsleben vereinbare, könne viel einfacher "Energie für den Job aufbringen". Im März gab Goldman Sachs bekannt, dass der bisherige Co-Firmenpräsident alleiniger operativer Chef der Investmentbank wird – ein deutliches Signal dafür, dass er eines Tages die Nachfolge von Lloyd Blankfein als CEO antreten wird.

Solomons Hobby mag für einen Banker in seiner Position ungewöhnlich sein. Aber eine intensive Freizeitbeschäftigung hat gewaltige Vorteile. "Ausgleich zum Job ist wichtig", sagt Tim Hagemann, Professor für Arbeitspsychologie an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld. Stress sei nicht negativ, weil er zu Höchstleistungen ansporne. Problematisch werde es, wenn Vielarbeiter keine Entspannungsphasen mehr in ihren Alltag einbauen – für die Gesundheit und für die Karriere.

Die Rolle des Stresshormons Cortisol


Denn ganz nach oben schaffen es nur diejenigen, die mit dauerhaftem Druck gut umgehen oder ihn überwiegend vermeiden können. Zu diesem Ergebnis kam 2012 auch die Sozialpsychologin Jennifer Lerner von der Harvard-Universität. Gemeinsam mit sechs Kollegen verglich sie den Pegel des Stresshormons Cortisol von Angestellten mit und ohne Personalverantwortung. Und siehe da: Je weiter oben jemand in der Hierarchie stand, desto niedriger seine Anspannung. Lerner vermutet, dass Top-Manager besser abschalten können.

Aber bei welchen Aktivitäten lassen deutsche und internationale Unternehmer und Managerinnen Druck und Sorgen hinter sich? Ein Blick in die privaten Terminkalender verrät, dass die Mächtigen des Landes nicht nur joggen gehen, sondern auch exotischen Hobbys frönen. Denn ohne Spaß kein freier Kopf.

Die Freizeitaktivitäten im Überblick


AUßERIRDISCHE ATMOSPHÄRE
Fränzi Kühne, TLGG. Deutschlands jüngste Aufsichtsrätin sucht zum Abschalten ihre Kindheit auf. Dafür schnappt sich die Gründerin und Chefin der Digitalagentur Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG) ihren Kassettenrekorder und hört Folgen der Achzigerjahre-Fernsehserie "Alf". Der gefräßige Außerirdische vom Planeten Melmac bringt sie bis heute zum Lachen.

DREI AUF EINEN STREICH
Tom Blades, Bilfinger: Der Vorstandsvorsitzende des Bauunternehmens widmet seine Freizeit dem Triathlon. Vor allem die Morgen- und Abendstunden nutzt er regelmäßig zum Training. Blades mag vor allem die "Freiheit, die beim Schwimmen und Joggen im Kopf entsteht".

ASIEN LÄSST GRÜßEN
Michael Otto, Otto Group: Der Aufsichtsratschef des Hamburger Versandhändlers kann besonders gut entspannen, wenn er die fernöstlichen Sportarten Yoga und Tai-Chi praktiziert. Vor allem auf Dienstreisen helfe ihm die Übungen dabei, stressreiche Terminmarathons zu bewältigen.

KLEINIGKEITEN IM FOKUS
Reinhard Ploss, Infineon: Der Vorstandschef des Chipherstellers bastelt in der Freizeit gerne an Modellhubschraubern. "Wer sich da nicht voll konzentriert", sagte er einmal dem Handelsblatt, "sammelt schnell die Einzelteile auf dem Acker zusammen." Die strake Fokussierung schaffe Distanz zum Berufsleben.

MUSIC IS IN THE AIR ("GOD IS A DJ")
David Solomon, Goldman Sachs: Ein Investmentbanker als DJ? Warum nicht, sagt sich der designierte Nachfolger von Goldman-Sachs-CEO Lloyd Blankfein: "Viele Interessen führen zu einem ausgeglichenen Leben und einer besseren Karriere."

STILLE WASSER
Meg Withman, ehemals HP: Vor mehr als 20 Jahren suchte die Top-Managerin nach einem gemeinsamen Hobby für sich und ihren 13-jährigen Sohn – und lernte das Fliegenfischen schätzen: "Es hat etwas Meditatives", sagt Whitman, "man denkt währenddessen an nichts anderes."

KAMPFESLUST
Mark Zuckerberg, Facebook: Der Gründer des sozialen Netzwerks fechtet seit der Schulzeit, damals brachte er es zum Kapitän seiner Highschool-Mannschaft. In seiner Bewerbung für die Universität Harvard erklärte Zuckerberg, warum der Sport perfekt für anspruchsvolle Menschen sei: "Fechten fordert uns geistig und körperlich, ist kontrolliert, aber manchmal auch impulsiv."

Zuerst veröffentlicht auf
wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 07.06.2018

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