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Mal-Meditation mit Mandala
Foto: montserrat117/Fotolia.com
Freizeittrend

Malen ist Meditation

von Sven Prange, wiwo.de
Aufwendige Malbücher für Erwachsene werden zu Bestsellern. Vor allem eine Britin verdient an der neuen Lust zur Selfmade-Kunst.
Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit, bis der Retro- und Selbermachtrend in den Besser-Wohnen-Vierteln westlicher Metropolen von echtholzgetäfelten Handwerksbäckereien, kernigen Craft-Beer-Verkäufern und heimeligen Wochenmärkten auch in die Wohnzimmer überschwappt und dort neumodische Freizeitvertreiber wie das iPad oder die xBox zurückdrängt. Dennoch überrascht es, mit welcher Dynamik in den vergangenen Monaten ein irgendwo in der Kindheit zurückgelassen geglaubtes Relikt wie das Malbuch in die Welt gestresster Kopfarbeiter Einzug gehalten hat. Das ist mit dem Namen Johanna Basford, auf die noch zurückzukommen sein wird, verbunden, und mit einer wachsenden Sehnsucht nach Ruhe und Entschleunigung.

Und so freut sich die des Fröhlichen in den vergangenen Jahren nicht allzu verdächtige Buchverlagsbranche in diesem Frühsommer über einen schönen neuen und bestens verkäuflichen Trend: Malbücher für Erwachsene. Nein, kein Malen nach Zahlen, wie es in den Neunzigern mal unter nicht ganz so Kunstbegabten, die sich dennoch über hübsche Bilder Marke Eigenbau freuen wollten, beliebt war. Sondern edle, meist in Schwarz- oder Tintenblauweiß gehaltene Bücher, deren vorgezeichnete Seiten Hipster in Prenzelberger Cafés genauso mit Farben ausfüllen wie mittagspausierende Investmentbanker in London beim Versuch, kurz herunterzukommen.

Fan-Post von Anwälten und Bankern

Star der Szene ist die 32-jährige Britin Johanna Basford, deren Erstlingswerk "Mein verzauberter Garten" sich in 14 Ländern 1,5 Millionen Mal verkaufte und derzeit bei vielen Buchhändlern zwei- bis vierwöchige Lieferzeiten hat, weil der Druck der Nachfrage hinterherhinkt. 1,5 Millionen in einer Branche, in der knapp sechsstellige Verkaufszahlen schon als Bestseller gelten. Kein Wunder, dass allerlei aufs eher Kreative spezialisierte Verlage nun nachziehen und zum Teil mit Autoren-Malbüchern, zum Teil mit No-Name-Nachmacherprodukten auf Leser- beziehungsweise Malerfang gehen.

Die Frau, die den Trubel entfacht hat, ist eigentlich Werberin – und verlor in den Nachwehen der 2008er-Banken-und-Finanzkrise ihren Job. Sie hatte zuvor Kampagnen für internationale Konzerne von London aus entworfen. Wer ihre Bücher als klassischen Geschenke-Nippes abtut, der zwar hübsch aussieht, aber beim Beschenkten dann schnell ungenutzt verstaubt, dem hält sie ihre zahlreiche Fan-Post entgegen. Insbesondere gestresste Banker und Superanwälte aus der Londoner City würden ihr schreiben, sagt Basford. Das ruhige Ausfüllen der vorgegebenen Fläche wirke nahezu meditativ. Ganz ähnlich übrigens wie das ebenfalls in den einschlägigen Berufsgruppen beliebt gewesene Origami-Falten.

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