Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Werden qualifizierte Männer durch die Frauenquote diskriminiert?
Foto: Maik Dörfert/Fotolia.com
Umgekehrte Diskriminierung

Männerkarriere trotz Frauenquote?

Manfred Engeser, wiwo.de
Die große Koalition hat ihren monatelangen Streit über die Frauenquote beendet und sich auf eine 30-Prozent-Quote für große Unternehmen geeinigt. Droht hoch qualifizierten Männern künftig eine umgekehrte Diskriminierung?
Prädikatsexamen, beste Zeugnisse, knapp zehn Jahre Personalverantwortung in verschiedenen Unternehmen, aufgestiegen bis zur zweiten Managementebene, darunter drei Jahre in Peking verantwortlich fürs Asien-Geschäft, MBA: Jürgen Grüttner hatte jahrelang zielgerichtet darauf hingearbeitet, es bis ganz nach oben zu schaffen.

Als ein Konzern einen neuen Personalchef suchte, schien er kurz vor dem Ziel: Die Stelle passte perfekt zu dem 52-Jährigen, aus Sicht des vom Unternehmen beauftragten Headhunters war Grüttner der am besten qualifizierte Kandidat. Das Problem: Das Unternehmen wollte ihn nur der Form halber kennenlernen. Der Grund: Unter den drei Kandidaten der letzten Runde waren neben ihm auch zwei Frauen mit beachtlichen, wenn auch nicht besseren Lebensläufen.

Einzige Chance Geschlechtsumwandlung

"Der Mann hatte von Anfang an keine Chance", erinnert sich der mit der Kandidatensuche beauftragte Partner einer großen deutschen Personalberatung – der seinen wahren Namen genauso wenig preisgeben möchte wie Grüttner. Zu groß ist die Angst vor Repressalien. "Um eine Chance auf den Posten zu haben, hätte ich ihm eigentlich nur einen Rat geben können: eine Geschlechtsumwandlung."

Was auf den ersten Blick wie ein billiger Witz wirkt, entwickelt sich seit einigen Jahren für immer mehr hoch qualifizierte Männer zur bitteren Realität: Obwohl das Gesetz zur Frauenquote erst ab 2016 gelten soll, sorgen die Unternehmen schon jetzt vor. Verpflichten sich freiwillig, den Frauenanteil in ihren Führungsetagen und Aufsichtsräten in den kommenden Jahren deutlich zu erhöhen. Suchten im In- und Ausland händeringend nach geeigneten Kandidatinnen. Und verordneten sich Frauenförderprogramme, um zumindest in ein paar Jahren die Chance zu haben, die selbst auferlegten Quotenziele zu erfüllen.

Kein Unternehmen will sich noch länger das Image eines Macho-Ladens leisten, kaum ein Konzernlenker lässt eine Gelegenheit aus, um zu betonen, sich nichts sehnlicher zu wünschen als mehr Frauen in Führungspositionen.

Themen im Überblick

Fair Company | Initiative