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alltagssexismus
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Alltagssexismus im Management

Männer überhöhen sich gerne selbst

Teil 2: Übergriffiges Verhalten

Auch Julia Hamann empfand das rhetorische Verhalten ihrer Kollegen und männlichen Mitarbeiter als übergriffig. "Mir wurde klar, dass sie mich nicht als Gleiche unter Gleichen betrachten – sondern offenbar als ein junges Dummchen, dem Mann etwas erklären muss", sagt sie.

Mehr noch: Sie sah sich mit einem Legitimationsproblem konfrontiert. Denn trotz der formal höheren Hierarchieposition wurde ihr diese Stellung innerhalb der Gruppe nicht zugestanden.

Eine Erfahrung, die Frauen in Führungspositionen immer wieder machen. Aber die Hilflosigkeit zu thematisieren, ist für viele Führungsfrauen ein Tabu. Gerade sie, die es an die Spitze geschafft haben, müssen sich doch durchsetzen können.

Frauen, die sich nicht wehren

Das Forum Oh my Job, auf dem sich Frauen in Führungspositionen über Karriere und Gleichberechtigung in der Arbeitswelt austauschen, nahm Anfang 2015 einen Artikel aus der FAZ zum Anlass, um seine Mitglieder zu ihren Erfahrungen mit Mansplaining zu befragen. Eine Rechtsanwältin etwa berichtete, dass männliche Mandaten immer wieder dazu neigten, ihr das Vorgehen und die Rechtslage zu erklären – und dabei selbst von völlig falschen Fakten überzeugt seien. Eine andere kritisierte das Verhalten der Frauen, die sich nicht wehrten. "Mich nervt das immer ungemein, wenn Frauen so plumpes Interesse heucheln, wenn ihnen mal wieder die Welt erklärt wird."

"Er hat mir vorgeworfen, überempfindlich zu sein"

Doch wie sollte sich eine Frau verhalten? Julia Hamann nahm ihren Stellvertreter nach dem Meeting zur Seite. "Doch er konnte es gar nicht nachvollziehen, dass ich sein Verhalten mir gegenüber als diskreditierend empfand. Stattdessen hat er mir vorgeworfen, überempfindlich zu sein und ein Kommunikationsproblem zu haben", erzählt sie. Hinzu kam außerdem: Der Mann war gekränkt, dass sie ihm Macho-Verhalten unterstellt hatte.

Oft passiert Mansplaining tatsächlich eher unbewusst und meist steckt hinter dem Verhalten ein traditionelles Rollenbild und eine entsprechende Sozialisierung.

Häufig wurden Männer, die dazu neigen, Frauen die Welt zu erklären, nach einer klassischen Männerrolle erzogen. Sie sind es gewohnt, dass sie die Kommunikations- und Deutungshoheit innehaben. Kommt dann noch ein Altersunterschied zu einer Frau dazu, steht sie in seinen Augen automatisch auf einer rangniedrigeren Position. Mehr noch: Männer und Frauen unterscheiden sich tendenziell in ihrer Rhetorik, die ebenfalls wiederum mit einer geschlechtsspezifischen Sozialisation zu tun hat.


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