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Was Manager von Künstlern lernen können.
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Lektionen aus der Kunst

"Machen Sie Ihr eigenes Ding"

von Kristin Schmidt , wiwo.de
Für Manager gilt: Eigene Ideen wagen statt auf Konformität setzen. Psychologe und Coach Roland Geschwill erklärt, was Manager von Künstlern wie Miles Davis lernen können und wie sie mit Kreativen im Team umgehen sollten.
Herr Geschwill, wer ist Ihr Lieblingskünstler?

Miles Davis, legendärer Jazz-Trompeter und Komponist.

Sie sagen, Manager können von Künstlern lernen. Was können sich denn gestandene Führungspersönlichkeiten von Miles Davis abgucken?

Miles Davis zeichnete im Wesentlichen aus, dass er sein eigenes Ding machte. Wissen Sie, Jazz war in den Fünfzigerjahren eine sehr tradierte Musikrichtung und Davis hat ihn anschließend gleich dreimal revolutioniert. Vom klassischen Jazz zum Cool Jazz, der auf Improvisation beruhte. Dann hat er Elektronikelemente eingebaut. Und in den Achtzigerjahren den Jazz Richtung Pop weiterentwickelt.

Und was genau hilft das jetzt Managern?

Wir leben in einer Zeit der Umbrüche und dessen sollten sich die Manager bewusst werden. Es bringt ihnen nichts auf Konformität zu setzen, sie müssen neue, eigene Ideen durchsetzen. Allianzchef Oliver Bäte zum Beispiel will eine neue Versicherungs-App auf den deutschen Markt bringen, die in Indien entwickelt wurde. Bei einem Autounfall macht der Kunde ein Foto vom Schaden, das sofort bei der Versicherung eingeht und als Grundlage des Gutachtens dient. Das würde Bürokratieabbau und Schnelligkeit bedeuten. Damit macht man sich im allerdings hierzulande im Konzern nicht nur Freunde. Miles Davis würde darauf wenig Rücksicht nehmen. Wenn die Idee gut war, setzte er sie um.

Aber ist es nicht auch Aufgabe der Top-Manager verschiedene Interessen auszuloten und dann zusammenzubringen?

Ja, natürlich. Aber es geht darum, dass die Manager ihre etablierten Denkmuster aufbrechen, Visionen entwickeln. Meistens sind sie operativ sehr eingebunden. Manager müssen sich die Zeit nehmen über die großen, strategischen Herausforderungen nachzudenken. Künstler haben große Entwürfe, Manager brauchen sie.

Welche Führungspersönlichkeiten kennen Sie, die sich an Künstlern orientieren?

Steve Jobs war sehr stark mit der Musikszene weltweit verwoben und hat sich mit ihnen ausgetauscht. Er hatte zum Beispiel eine langjährige Beziehung mit Joan Baez. Auch Reinhold Würth vom gleichnamigen Schraubenhersteller hat sich in Künstlerwerkstätten angesehen, wie dort gearbeitet wird.

Mit welchem Ergebnis?

Künstler arbeiten ihre Aufgaben nicht nacheinander ab. Manchmal kommen sie nicht weiter, machen Pausen und widmen sich einer anderen Arbeit. Sie verwerfen fast fertige Lösungen und beginnen von neuem. Irgendwann kommt dann der Durchbruch. Würth hat dadurch gelernt, seinen Mitarbeitern gewisse Freiheiten einzuräumen und dass kreative Krisen durchaus zum Arbeitsleben dazugehören.

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