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Betrugsermittlung

Lug und Trug ist ihr Geschäft

Sonia Shinde
Ob Versicherungsbetrug, Diebstahl oder Korruption - bei der Aufdeckung sind Spezialisten gefragt: Sogenannte Certified Fraud Manager jagen Betrüger bei Banken und Versicherungen. Verschiedene Schulen bieten entsprechende Ausbildungswege an.
Certified Fraud Manager werden immer gefragterFoto: © Evgeniya Ponomareva - Fotolia.com
Sie ertappen Bankmitarbeiter, die fingierte Kredite vergeben und in die eigene Tasche wirtschaften. Sie stellen Ärzte und Apotheker, die die Krankenkassen um Millionen prellen. Sie outen Betrüger, die Versicherungsprämien abzocken, finden versteckte Konten in Steueroasen und klären, wer die teuren Laptops mitgehen ließ, die "vom Lkw fielen" oder aus dem Lager verschwanden.Rund 500 Betrugsermittler gibt es derzeit in Deutschland, schätzen Experten. Bedarf steigend. Doch Fachleute sind rar gesät, meist rekrutieren sie sich aus Ex-Polizisten oder Staatsanwälten, Wirtschaftsprüfern oder Revisoren. Eine Ausbildung von der Pike auf gibt es bisher kaum, geschützt ist die Berufsbezeichnung nicht.

Die besten Jobs von allen

Banken haben BedarfZu neu ist das Berufsbild, das es in den USA seit Ende der 70er-Jahre gibt und in Deutschland ungefähr seit Ende der 90er. Bekämpft haben Unternehmen Lug und Trug zwar auch davor, "aber das machte die Revision eben mal mit", sagt Peter Zawilla, der erst als klassischer Banker in der Revision begann und inzwischen mit seinem eigenen Unternehmen Betrüger jagt.20 000 Mark fehlten seinem Arbeitgeber Mitte der 90er-Jahre - sein erster Fall. Zawilla musste suchen, wer sie genommen hatte. Er prüfte Auszahlungen, sichtete Buchungsbelege, stellte fest, wer die Auszahlungen abgezeichnet hatte, verglich Unterschriften, recherchierte, welche der verdächtigen Angestellten mehr ausgaben als sie verdienten oder Schulden hatten. Am Ende war es ein Mitarbeiter in finanziellen Nöten. Der Täter gestand und flog raus. Zawilla löste in den Folgejahren "ein paar Hundert solcher Fälle". "Das war vor allem "learning bei doing", sagt er.Jetzt will er gemeinsam mit der Frankfurt School of Finance & Management die Ausbildung professionalisieren. Von Mai an trainieren dort 25 Studenten berufsbegleitend Ermittlungstechnik und Interviewführung, büffeln die aktuelle Gesetzeslage - und lernen vor allem, wie man im Vorfeld Wirtschaftskriminellen das Leben schwer macht. Nach einem Jahr sind sie Certified Fraud Manager. "Vor allem Banken müssen aufrüsten", sagt er. Laut Kreditwesengesetz (KWG) müssen sie sich vor Betrug und Korruption schützen. Doch nur wenige Institute haben sich gewappnet, wie es das KWG vorschreibt, sagen Branchenkenner.Und auch bei den Versicherern liege noch so manches im Argen, monieren Insider. "Die Anordnungen der Versicherungsaufsicht sind den letzten Jahren verschärft worden, deshalb gibt es in der Branche einen erheblichen Bedarf", sagt ein Betrugsermittler bei der Allianz in München. Mehr als 800 Fälle habe er pro Jahr auf dem Tisch, der Schaden geht in die Millionen.Das ist wenig im Vergleich zum Gesundheitswesen. Dort taxiert die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International den jährlichen Schaden durch korrupte Ärzte, betrügerische Krankengymnasten, Optiker oder Sanitätshäuser auf mindestens 6 Mrd. Euro. Ein riesiger Markt nicht nur für die Täter, sondern auch für Ermittler. "Die Unternehmen rüsten auf, nicht nur in der Gesundheitsbranche", sagt Dina Michels, die zusammen mit acht Mitarbeitern bei der gesetzlichen Krankenkasse KKH-Allianz in Hannover Betrüger im Gesundheitswesen jagt.Dickes Fell gefragt"Freunde macht man sich mit der Arbeit nicht. Das ist nichts für Harmoniesüchtige, da braucht man ein dickes Fell", sagt sie. Für ihr eigenes Team setzt sie vor allem auf Fachleute aus den eigenen Reihen. Am liebsten sind ihr Juristen oder Experten aus dem Sozialversicherungsrecht. "Die kennen die branchenüblichen Verträge", sagt sie. Ihr jüngster Neuzugang ist nicht nur Juristin, sondern hat davor lange als Krankenschwester in einer Klinik gearbeitet. "Sie kennt wirklich alle dunklen Kanäle, in denen Krankenhausgelder verschwinden können", sagt Michels.Die Juristin war eine der ersten Absolventinnen der School of Governance, Risk and Compliance an der privaten Steinbeis-Hochschule in Berlin. 20 Studenten können sich dort jedes Jahr berufsbegleitend zum Ermittler ausbilden lassen, so wie Michels.

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