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Berufsausbildung Asien
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Internationales Ausbildungsniveau

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Florian Willershausen, Alexander Busch, Angela Hennersdorf, Philipp Mattheis und Mathias Peer | wiwo.de
Deutsche Unternehmen treffen im Ausland oft auf ein katastrophales Ausbildungsniveau. Inzwischen bilden sie den Nachwuchs an ihren Produktionsstandorten in Asien, Osteuropa und den USA lieber frühzeitig selbst aus. So binden sie die besten Talente.
Rastlos rattert das Monster aus Stahl, das Werner Gessner in Vietnam installiert hat. Eine Abfüllanlage für Dosenbier, die fast rund um die Uhr in Betrieb ist und stündlich 33.000 Bierdosen ausspuckt. Es ist die neunte Anlage, die Gessners Arbeitgeber KHS an den Brauereikonzern Sabeco in Ho-Chi-Minh-Stadt verkauft hat – der Anlagenbauer aus Dortmund macht in Vietnam einen Jahresumsatz bis zu 50 Millionen Euro.

Obwohl der Bierdurst der Einheimischen ungebrochen ist, stößt das Wachstum dort an Grenzen – es mangelt an qualifiziertem Personal. Selbst Berufsschulen gibt es dort kaum, die Lehrpläne gehen an den Bedürfnissen der Wirtschaft vorbei – und nur ein Drittel der Arbeitskräfte verfügt über eine Ausbildung, die ihrer Tätigkeit entspricht.

"Viele Arbeiter verfügen nicht über die nötigen Qualifikationen, um diese hochkomplexen Anlagen zu bedienen", sagt KHS-Asienchef Gessner. Denn seine Kunden verlangen von dem hochpreisigen Anlagenbauer auch gut geschulte Mitarbeiter – und mit deren Ausbildung kommen die Dortmunder nicht hinterher. "Viele unserer Kunden klagen deshalb über erhebliche Effizienzverluste."

Teure Nachschulung

Bisher leisten sich die Unternehmen regelrechte Ausbilder-Brigaden, die um die Welt fliegen und Personal anlernen. Inzwischen hat die Globalisierung kleine wie große Unternehmen so weit mitgerissen, dass sie viele Millionen Mitarbeiter im Ausland beschäftigen – und die mühsame individuelle Nachschulung lokaler Mitarbeiter zu teuer wird.

Weg vom zähen Anlernen, hin zum zielgerichteten Ausbilden heißt der Trend. Volkswagen macht das vor: "Allein 2012 haben wir rund 1500 Auszubildende außerhalb von Deutschland eingestellt", sagt VW-Personalvorstand Horst Neumann der WirtschaftsWoche im Interview.

Dual wird international 

So erlebt ein jahrhundertealtes Unikat made in Germany seine Renaissance: das duale System der Berufsausbildung, also die parallele Schulung von Azubis in Berufsschulen und Ausbildungsbetrieben.

Dabei gab es Zeiten, da schämten sich Bildungspolitiker fast für dieses Relikt aus Bismarcks eisernen Zeiten: Die Akademisierung der Berufsausbildung war um die Jahrtausendwende in Europa en vogue, die Standardisierung fand mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen ins deutsche Bildungswesen Eingang.


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