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Arbeitsmarkt

Logistik: Karriere in der Container-Welt

Teil 2

Karriere als ProjektmanagerEin Logistik-Studium ist der Königsweg. Für den Master sind Mathe, BWL, Informatik oder Maschinenbau die häufigste Vorbereitung. Aber zum Erfolg in der Branche gehört mehr: "Man braucht neben analytischem Verständnis vielseitige Sprachkenntnisse, interkulturelles Denkvermögen, Teamfähigkeit und Kreativität, wenn man logistische Probleme lösen und neue Ansätze entwickeln will", so Klaus Krumme, Geschäftsführer des Zentrums für Logistik und Verkehr der Uni Duisburg-Essen.Klassischerweise macht man in der Logistik als Projektmanager Karriere, als Chef-Einkäufer, Materialflussplaner, Programmierer oder Consultant. "Die Absolventen, die in Zusammenarbeit mit uns an der Berufsakademie Lörrach ihren Betriebswirt in Logistik machen, werden uns von den Niederlassungen geradezu aus den Händen gerissen", erzählt Bettina Pick, Personalerin bei der Fiege Gruppe. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 21000 Mitarbeiter. "Wer breit aufgestellt ist, operative und strategische Erfahrungen mitbringt und am besten noch im Ausland war, wird schnell Assistent eines Geschäftsführers oder Niederlassungsleiters und ein paar Jahre später vielleicht selbst schon Niederlassungsleiter", so Pick. Und auch ohne Studium bietet die Logistik gute Chancen, etwa als Fachkraft für Lagerlogistik. "Auch Speditionskaufleute sind zurzeit extrem nachgefragt", sagt Thomas Wimmer von der BVL.

Die besten Jobs von allen

Auch gut ausgebildete Akademiker ohne spezielles Logistikstudium werden gesucht, wenn sie "einen globalen Blick auf die Dinge haben", wie es Nils Haupt von der Lufthansa Cargo formuliert. "Ingenieure und BWLer beginnen bei uns zum Beispiel als Junior im Vertrieb oder im Logistikzentrum", so Haupt. Anfangsjahresgehalt zirka 30000 Euro. Aber auch der Quereinstieg ist möglich: "In unserer IT-Abteilung arbeitete auch schon ein ordinierter evangelischer Pfarrer." Rund 4500 Mitarbeiter hat Lufthansa Cargo weltweit als international zweitgrößtes Luftfrachtunternehmen.Und das - Transport und Verkehr - ist ja nur die eine Seite der Logistik. Dass die Branche so stark wächst, hat zum einen mit der Globalisierung der Warenströme zu tun: am einen Ende der Welt planen, am anderen produzieren und rund um den Globus liefern. Der andere Grund ist der Trend der Firmen, weite Teile ihrer Warenorganisation und Produktion auszulagern: um Kosten zu sparen, aber auch, um qualifiziertes Know-how zu nutzen. So werden Logistiker zu Produzenten - Kontraktlogistik heißt das dann.Mercedes in EinzelteilenDie Firma BLG Logistics unterstützt beispielsweise den Bau des Mercedes CLC. Alle 2500 Komponenten von 250 verschiedenen Zulieferern werden bei BLG in Bremerhaven gesammelt. Je nachdem, wann wie viele Autos mit welcher Ausstattung bestellt werden, packt BLG die Teile passend zusammen und verschifft sie zum Werk nach Brasilien. Später werden die Autos wieder abgeholt und in Bremerhaven mit individuellem Zubehör bestückt: Navigationssystem hier, Ledersitze dort. Mit einem eigenen Führungskräfte-Förderprogramm hat man bei BLG mittlerweile auf die allgemeine Personalnot reagiert.Auch globale Transport-Profis wie die Bahn-Tochter Schenker, die sogar Sondergüter wie etwa die Segelboote sämtlicher Olympia-Teilnehmer nach China bringt, setzen zunehmend auf neue Dienstleistungen. Für den Computerhersteller Fujitsu Siemens hat Schenker von Deutschland aus die europaweite Ersatzteillogistik übernommen, Lieferfähigkeit rund um die Uhr. Auch am Duisburger Hafen, der in sechs Jahren einen Arbeitsplatzanstieg um satte 50 Prozent auf 36000 hafenabhängig Beschäftigte verzeichnete, ist die Kontraktlogistik auf dem Vormarsch. Von Duisburg aus werden sämtliche Hewlett-Packard-Produkte nicht nur europaweit versandt, sondern auch verpackt, etikettiert und konfektioniert. So werden die eigentlichen Hersteller entlastet.Durch solches Outsourcing entstehen vielleicht insgesamt nicht viel mehr Arbeitsplätze, aber die Wertschöpfung verlagert sich zu den Logistikern. "Selbst ohne Wirtschaftswachstum werden hier in den nächsten Jahren viele hundert Millionen Euro Geschäft umgeschichtet", prognostiziert Peter Klaus von der Fraunhofer Gesellschaft. Für Rationalisierungsexperten und Outsourcer sieht er daher beste Jobaussichten. Eng damit verknüpft ist die fortschreitende Elektronisierung. "Ohne IT-Komponenten ist heute nichts mehr planbar", so Logistik-Professor Franz Vallée. RFID, die scanbaren Radiofrequenz-Chips, sind ein oft genanntes Zauberwort unter Logistikern. Auf Paketen und Containern, an Werkstoren oder Fertigungsbändern ermöglichen sie nicht nur die weltweite Verfolgung und Statuskontrolle, sondern in Zukunft sollen sich die Waren an den Umschlagsorten selbstständig ihren Weg suchen. Damit das funktioniert, braucht es findige IT-Logistiker.

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