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Karriere

Logistik: Arbeitgeber buhlen um die besten Absolventen

Daniel Rettig
Die Logistik-Branche in Deutschland wächst seit Jahren rasant. Gute Absolventen sind begehrt wie lange nicht. Im Kampf um die Talente müssen die Firmen jetzt um Bewerber buhlen. Absolventen winken in der Logistik spannende Karrieren. Welche Chancen die Branche Einsteigern bietet.
Volle Lagerhallen: Die Logistik-Branche boomtFoto: © Bernardo Varela - Fotolia.com
Im Studium traf Nicolaj Meißner eine Entscheidung. Der BWL-Student wollte sich nicht wie so viele seiner Kommilitonen auf Fächer wie Unternehmensführung, Marketing oder Finanzen spezialisieren. Meißner informierte sich, in welchen Bereichen er nach dem Diplom gute Chancen haben würde. Und beschloss, sich auf Logistik zu spezialisieren: "Ich habe gemerkt, dass die Branche stark wächst und dass dort die Aussicht, eine feste Anstellung zu bekommen, relativ groß ist." Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung, Meißner hat gleich nach dem Studium einen Job bekommen und arbeitet heute bei der Weiling GmbH, einem Großhändler für Biolebensmittel und Naturkost.Die deutsche Logistik boomt. Die Bundesvereinigung Logistik (BVL) schätzt, dass der Umsatz der Branche in diesem Jahr um fünf Prozent steigt - dann kämen die Unternehmen auf einen Umsatz von etwa 180 Milliarden Euro. Jeden Tag sind in Deutschland über zwei Millionen Fahrzeuge - Lkw, Züge oder Schiffe - für Transporte und Lieferungen unterwegs. Und irgendjemand muss ja all diese Fahrten planen. Zum Boom beigetragen hat das Outsourcing: Der Anteil der logistischen Aufgaben, die Industrie und Handel an Dienstleister vergeben, beträgt heute im Schnitt schon 32 Prozent. Dementsprechend brauchen die Unternehmen Personal.

Die besten Jobs von allen

Welche Bedeutung der Wirtschaftszweig Logistik inzwischen einnimmt, machte zuletzt die Tarifauseinandersetzung zwischen Lokführern und Deutscher Bahn deutlich. Waren, Dienstleistungen und Informationen entstehen heute zig Kilometer voneinander entfernt und müssen minutengenau aufeinandertreffen. In Autofabriken müssen alle Teile genau dann ankommen, wenn die Mechaniker das Fahrzeug zusammenschrauben.Gute Logistik bietet zahlreiche WettbewerbsvorteileLogistiker, auch Supply-Chain-Manager genannt, entwickeln präzise Lieferketten, die das ermöglichen. Sie managen den Takt der Globalisierung. Zusammen mit IT-Fachleuten und moderner Technik planen sie jede Bewegung eines Produkts von der Entstehung über die Weiterverarbeitung bis zum Verbraucher - oft weit über Unternehmensgrenzen hinaus. In den vergangenen Jahren hat sich die Logistik zu einer strategisch bedeutsamen Disziplin entwickelt. Gute Logistik bietet zahlreiche Wettbewerbsvorteile.
Foto: © Junge Karriere
Bereits heute, schätzt der Wirtschaftsdienst Hoppenstedt, arbeiten 2,5 Millionen Menschen in der Branche. In den kommenden Jahren soll die Zahl der Logistik-Mitarbeiter noch einmal um fünf Prozent zulegen. Beispiel Deutsche Post: Für ihre Tochterfirma DHL suchen die Bonner derzeit Akademiker mit Logistik-Schwerpunkt. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen etwa 50 Leute eingestellt, in diesem Jahr werden es zwischen 50 und 60 sein - inklusive der Trainee-Programme. Bewerber sollten einen guten Universitätsabschluss, fließendes Englisch, Auslandserfahrung und starke kommunikative Fähigkeiten mitbringen. Auch die Deutsche Bahn sucht Akademiker für ihre Töchter Railion, Stinnes und Schenker.Mit den Einsatzmöglichkeiten sind die Anforderungen gestiegen: Logistiker arbeiten in der industriellen Produktionsplanung, Ersatzteilversorgung oder bei Logistik-Dienstleistern. Dementsprechend brauchen die Unternehmen auch immer mehr Akademiker. Die TU Berlin schätzt, dass die Logistik jährlich 12000 Fachkräfte braucht. "Die Logistik benötigt aber einen Akademikeranteil von 20 bis 25 Prozent", sagt der Berliner Logistik-Professor Frank Straube. Davon ist die Branche mit 17,5 Prozent noch weit entfernt. Aber: "Die Nachfrage nach Logistikern ist groß, das Angebot klein", sagt Christian Butz vom Logistik-Lehrstuhl der TU Berlin.Das honoriert die Branche: Projektmanager verdienen 30000 bis 35000 Euro in Logistikunternehmen - in der Industrie bis zu 40000 Euro. Das erkannte im Studium auch Meißner, und deshalb legte er schon damals den Grundstein. Er jobbte zunächst als Hilfskraft beim Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik. Nach dem BWL-Diplom ging er Anfang 2003 zunächst zur Fraunhofer-Niederlassung nach Indonesien und heuerte danach in Deutschland bei der BW Fuhrpark Service an, einem Tochterunternehmen der Bundeswehr. 2004 ging er wieder zurück nach Asien und arbeitete bei der "Petra Food Group", einem Schokolade produzierenden Unternehmen.Von der Bundeswehr in die Bio-BrancheDanach ging er wieder zu BW Fuhrpark und wechselte dann Anfang dieses Jahres von der Bundeswehr in die Bio-Branche. Wie kam dieser Wechsel? "Der Geschäftsführer, den ich von unserer gemeinsamen Zeit am Fraunhofer Institut kenne, kam damals auf mich zu", sagt Meißner heute. Bei der Weiling GmbH ist der 33-Jährige heute dafür zuständig, die Tourenplanung der Fahrzeugflotte zu überwachen. Außerdem muss er die Kostenrechnungen im Auge behalten und sich mit externen Spediteuren absprechen. Wie gut, dass er sich schon im Studium auf industrielle Logistik spezialisiert hat. Vor allem von den Supply Chain Management-Kursen, Controlling und Produktionswirtschaft profitiere er heute enorm. Aber es gehört auch viel "Learning-on-the-job" dazu", sagt Meißner. Das Studium sei zu theorielastig, in der Praxis lerne man danach erst richtig. Anfang des kommenden Jahres wird Meißner befördert: Dann übernimmt er bei Weiling die Leitung des Bereichs Speditionslogistik.Er rät Studenten, schon während des Studiums Praktika zu machen: "So kann man schauen, ob einem die Logistik wirklich liegt." Natürlich könne man ein reines Logistik-Studium absolvieren, allerdings empfiehlt er ein BWL-Studium mit Spezialisierung: "So kann man sich nachher immer noch auf andere Bereiche umorientieren, wenn einem die Logistik doch nicht gefällt."

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