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Lehrer oder Ingenieur?
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Quereinsteiger

Lieber lehren als Autos zu bauen

Kirstin von Elm
Der Lehrermangel verschärft sich in Fächern wie Mathe, Informatik und den Naturwissenschaften. Immer mehr Schulen lassen Quereinsteiger ans Pult.
Fred Rasch weiß, wie man ein großes Team leitet und technische Sachverhalte erklärt. Bis vor drei Jahren hat er als Service-Ingenieur bei der Deutschen Telekom komplexe Kommunikationsnetzwerke für Unternehmen, Behörden und Ministerien aufgebaut und betreut. Bis zu 200 Mitarbeiter hörten auf sein Kommando.

Erfahrungen, die er heute in einem ganz anderen beruflichen Umfeld nutzt: Genervt von unerreichbaren Zielvorgaben und schlechter Stimmung am schrumpfenden Standort Kiel, entschied sich Rasch für den beruflichen Neustart – als Lehrer.

Heute unterrichtet der 50-Jährige Physik und Informatik am Regionalen Bildungszentrum RBZ Technik in Kiel. An der berufsbildenden Schule lernen 2600 Schüler in verschiedensten Bildungsgängen - angefangen vom berufsvorbereitenden Jahr bis zum Fachabitur. "Ich arbeite gerne mit jungen Leuten und habe schon bei der Telekom Azubis betreut", sagt Fred Rasch, der seinen Berufsalltag endlich wieder sinnvoll und erfüllend findet.

Beliebte Fächer

Bundesweit beschäftigen immer mehr Schulen Quereinsteiger wie Rasch, denn insbesondere in den Fächern Mathe, Informatik und Naturwissenschaften herrscht Lehrermangel.

Zwar studiert fast jeder zehnte Student auf Lehramt. Doch die meisten wollen später lieber Fächer wie Deutsch, Religion, Gemeinschaftskunde oder Sport unterrichten.

Auf Mathe, Physik oder technische Fächer haben dagegen nur wenige Lust. Von knapp 39.000 bestandenen Lehramtsprüfungen entfielen 2011 weniger als zehn Prozent auf eines dieser Fächer.

(K)eine Frage des Prestiges

Wer fit für ein technisches Studium ist, auf den warten in der Wirtschaft jede Menge besser bezahlte und prestigeträchtigere Jobs als ausgerechnet Lehrer: "Ich kann es jungen Leuten nicht verdenken, wenn sie später lieber tolle Autos bauen oder für einen Konzern ins Ausland gehen wollen", sagt Ralf Ströh, Schulleiter am Kieler RBZ.

Neben dem Wettbewerb um knappe Techniktalente bereiten ihm auch die grauen Schläfen seiner Kollegen Sorge. Tausende Lehrer werden in den nächsten Jahren bundesweit in den Ruhestand gehen.

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