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Arbeitslose deprimieren ihren Partner
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Beziehungskiller

Liebe in Zeiten der Arbeitslosigkeit

Teil 2: Wie zufrieden bin ich?

Trifft das auch zu, wenn ein Partner bereits arbeitslos ist?

Dann ist die Reaktion auf die Arbeitslosigkeit nicht so ausgeprägt. Wenn ich also arbeitslos bin und mein Partner auch seinen Job verliert, wirkt sich das nicht so stark auf mich aus. Das könnte man natürlich positiv interpretieren. Fakt ist aber, dass dann eben beide, mein Partner und ich, eine geringere Lebenszufriedenheit haben. Nur der Unterschied ist dann nicht mehr so groß. Es geht also beiden gleich schlecht.

Verstärken Kinder den Effekt?

Auf jeden Fall. Wenn Kinder da sind, ist die Reaktion auf die Arbeitslosigkeit des Partner stärker und die Lebenszufriedenheit noch geringer. Das zeigt auch unsere Studie. Ich glaube auch, dass sich das auf die Kinder auswirkt und auf deren Glücksgefühl. Aber dazu haben wir noch keine Daten.

Wie kommen Paare aus dieser Situation wieder heraus? Der Partner findet einen neuen Job und dann ist alles gut?

Wenn das so einfach wäre. Die Beziehung bleibt leider dauerhaft belastet. Dem Partner geht es dann zwar wieder gut, aber bei den Betroffenen selber ist das Glückslevel immer noch niedriger als vor der Arbeitslosigkeit. Sie erleben zwar wieder einen kleinen Anstieg der Lebenszufriedenheit. Aber das kann das Unglück nicht komplett kompensieren. Ich habe dazu schon andere Studien durchgeführt, mit Personen, die zwei- oder dreimal arbeitslos werden. Das Ergebnis ist dasselbe: Die erholen sich nicht von der ersten Arbeitslosigkeit. Und bei der zweiten Arbeitslosigkeit ist die Lebenszufriedenheit dann noch geringer und so weiter. Das ist eine Abwärtsspirale.

Nehmen wir an: Ich weiß, dass mein Partner bald seinen Job verliert. Kann ich vorbeugen, damit mir das nicht zusetzt?

Dazu können wir bisher nur Vermutungen anstellen. Wenn es darum geht, dass sich der Stress des Partners überträgt, kann man da schon etwas machen, indem man in der Partnerschaft offen darüber redet oder von außen Hilfe holt. Aber das ist ja nur ein kleiner Teil des Problems. Ich persönlich glaube nicht, dass man das komplett verhindern kann. Wäre ja auch komisch, schließlich empfinden Paare in der Regel – und im Idealfall – ja Empathie und sind sensibel für die Emotionen des anderen. Dass sich die dann übertragen, ist nur natürlich.

Glück und Lebenszufriedenheit sind so abstrakte Begriffe. Wie äußert sich das konkret?

Auf ganz verschiedene Arten. Lebenszufriedenheit ist generell mehr als nur schlechte Laune. Wir unterscheiden da zwischen emotionalem Wohlbefinden und kognitivem Wohlbefinden. Emotionales Wohlbefinden ist meine Stimmung. Wie geht es mir gerade, wie bin ich gerade drauf. Kognitives Wohlbefinden passiert, wenn man sich ganz bewusst hinsetzt und über sein Leben nachdenkt. Dann stelle man sich Fragen wie "Wie zufrieden bin ich?"

Zu den Auswirkungen von Lebenszufriedenheit gibt es noch wenig Daten. Aber es gibt zumindest einen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Lebenszufriedenheit und der Gesundheit. Wer glücklicher ist, ist also auch weniger anfällig für Krankheiten und hat eine bessere Stimmung. Glücklichere Menschen leben sogar länger und vor allem gesünder.

Laut Ihrer Studie sind Männer stärker von dem Phänomen betroffen als Frauen. Arbeitslose Männer leiden stärker als arbeitslose Frauen. Wie ist das zu erklären?

Männer beziehen den Verlust des Jobs stärker auf sich persönlich. Da dominiert noch ein bisschen dieses klischeehafte Bild des starken Familienernährers. Viele Männer denken noch in diesen Stereotypen: Ich bin ein Mann und muss Geld verdienen, sonst bin ich kein richtiger, vollwertiger Mann. Sie definieren ihren Selbstwert stärker über ihren Job als Frauen.

Sollten Männer, die ihren Job verlieren, einfach die Rollen tauschen und als Hausmann arbeiten?

Das würde das Problem zumindest verringern. Denn der Mann hätte dann einen geregelten Tagesablauf, eine Aufgabe und eine Alltagsstruktur. Ich kann mir vorstellen, dass ihm die Arbeitslosigkeit dann zwar immer noch zusetzt – aber nicht so stark.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 07.02.2015

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