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Weiterbildung

Lernen, lebenslang

Claudia Obmann
Ohne Weiterbildung geht es nicht. Vom Sprachkurs bis zum MBA-Studium, auch Manager und Promis aus Sport und Kultur müssen immer wieder ran.
Im Zickzack durchs Berufsleben

Eine Stelle auf Lebenszeit oder ein Bildungsabschluss, der fürs ganze Arbeitsleben reicht – diese Zeiten sind vorbei. Im Gegenteil, jeder muss sich darauf einstellen, in Zukunft sogar mehrmals beruflich Haken zu schlagen und vielleicht ganz neue Berufe zu erlernen.

Davon ist zumindest Michael Steinbrecher überzeugt. "Wie aber soll das gehen ohne Weiterbildung", fragt der TV-Moderator, der nebenbei noch Journalistik-Professor ist, in einer Werbeanzeige für den heutigen Deutschen Weiterbildungstag. Um auf die seiner Meinung nach "wichtigste Aufgabe unserer Zeit" hinzuweisen, hält Steinbrecher für die aktuelle Werbekampagne der Weiterbildungsbranche seinen Kopf hin. Stark für Kurse und Co. machen sich mit ihm zum Beispiel Kabarettist Bastian Pastewka und Heiner Brand – nach Stationen als Spieler und Nationaltrainer inzwischen Direktor des Deutschen Handballbundes.

Die besten Jobs von allen


Wie sehr Steinbrechers Theorie inzwischen sogar hochrangige Führungspersönlichkeiten betrifft, zeigt der Fall des ursprünglichen Schirmherrn des diesjährigen Weiterbildungstages, Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Der Jurist und Politiker denkt nach seinem Amtsverlust sicher über seine beruflichen Perspektiven nach – sich offiziell auf einer der bundesweit mehr als 500 Veranstaltungen zu zeigen, mag er aber nicht mehr

Vom Automechaniker bis zum Zahnarzt

Lebenslanges Lernen wird in Deutschland wegen des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels immer wichtiger. Das ist den Beschäftigten klar. Vom Automechaniker bis zum Zahnarzt sagt schon heute mehr als die Hälfte der Deutschen, dass Weiterbildung in ihrem Metier zwingend ist.

Außerdem rechnen 74 Prozent der Befragten damit, dass Fortbildungsmaßnahmen in ihrem Beruf in zehn Jahren noch bedeutsamer sein werden als heutzutage. Dies zeigt eine bundesweite Umfrage unter rund 1000 Erwerbstätigen der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW).

Wenn Lernen zum Stress wird

Allerdings belastet dieser Druck fast jeden zweiten Befragten. Und mehr als jeder zehnte fühlt sich laut DUW-Studie überfordert, weil sein Arbeitgeber erwartet, dass er sich auf dem neuesten Stand hält. "Wissen ist überall und jederzeit abrufbar, veraltet aber auch schneller als früher", sagt Ada Pellert, Präsidentin der DUW. "Die Überforderung vieler Menschen rührt häufig aus dieser Beschleunigung, verknüpft mit steigenden Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt. Chefs sollten ihre Mitarbeiter damit nicht allein lassen.

Ob nun mit Arbeitgeberunterstützung oder aus Eigeninitiative, zur Beschleunigung der Karriere oder auch, um ihr eine neue Richtung zu geben – das Angebot an Fortbildungen ist riesig. Die Weiterbildung kann ein Sprachkurs sein, wie ihn Tom Buhrow vor Jahren einmal in seinem Bildungsurlaub in Frankreich absolvierte, als seine Französischkenntnisse nachließen. Offenbar eine lohnende Investition in die Zukunft, denn "zehn Jahre später half mir das, Korrespondent in Frankreich zu werden", sagt der ARD-Moderator.

Es kann aber auch ein persönliches Coaching für Führungskräfte im Berufsalltag sein, wie es Manuela Mackert, Chief Compliance Officer der Deutschen Telekom, durchlief. Anders als viele ihrer Kollegen aus Führungskreisen, die über ihren Bildungsbedarf lieber nicht sprechen, steht die Managerin zu dieser wertvollen Erfahrung. Ihr Coach half ihr dabei, in kurzer Zeit eine neue Abteilung aufzubauen, eine globale Strategie zu entwerfen und dabei nicht zu sehr durch die Brille der Juristin zu schauen. Führung verlangt Reife, Mut und permanente Kompetenzerweiterung. Daran hat Mackert gezielt gearbeitet.

Dieser Artikel ist erschienen am 15.10.2012

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