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Falsche Leitwölfe
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Die Supermanager

Leitwölfe in der Kritik

Stefani Hergert
In der Wirtschaft kommen meist die Falschen an die Spitze, sagen Managementexperten. Skandale, Prozesse und frustrierte Mitarbeiter zeugen davon. Wie sich das ändern lässt.

Teure Managementfehler wie das Brasilien-Desaster von Thyssen-Krupp, Millionen-Bußgelder wegen verbotener Preisabsprachen der selbsternannten "Schienenfreunde" im Konzern und bei Konkurrenten. Geschasste Manager wie der glücklose Siemens-Chef Peter Löscher, wo eine Gewinnwarnung als Grund für die Ablösung reichte. Manager, die dem Druck von oben nicht mehr standhalten und sich das Leben nehmen, wie der Finanzchef des Schweizer Versicherers Zurich, das jüngste traurige Beispiel.

Drei Beispiele, ein Eindruck: Kann es sein, dass in den Führungsetagen der Wirtschaft etwas nicht richtig läuft? Leiten wirklich die besten Manager die Geschicke der Unternehmen? Die, die das Wohl des Unternehmens und das der Mitarbeiter im Auge haben?

Joachim Sauer, Präsident des Verbands der Personalmanager, und Alexander Cisik, Professor für Wirtschaftspsychologie, sind überzeugt: "Es führen überwiegend die Falschen."

Qualität ist nicht gleich Qualität

So pauschal würden Managementberater wie Markus Baumanns das nicht sagen. Aber: Auch Baumanns, der lange als Diplomat gearbeitet und zuletzt die private Jurahochschule Bucerius Law School in Hamburg aufgebaut hat, sieht eine derartige Tendenz in den Konzernen.

"Gute Führung heißt, eine Haltung gegenüber den Mitarbeitern und der Aufgabe zu haben", sagt er. Neugierig auf Menschen zu sein und das Beste aus ihnen herausholen zu wollen gehört dazu, ebenso wie das Gesamtwohl der Firma über die eigenen Interessen zu stellen. Doch in den Konzernen zählten beim Aufstieg eher andere Qualitäten. "Das ist ein echtes Dilemma."

Zu viele Machtkämpfe

Es ist ein Dilemma, das etliche Studien mit einer Zahl belegt haben: 30 Prozent. Diesen Anteil ihrer Arbeitszeit verwenden Topmanager auf ihre eigentliche Aufgabe. Der Rest geht dafür drauf, die eigene Position zu verteidigen oder am Stuhlbein der Kollegen zu sägen.

Baumanns weiß aus seiner Beratungserfahrung, dass es im Mittelstand oft anders ist. "In Familienunternehmen schaut man tendenziell stärker auf den einzelnen Menschen", sagt er.

Davon ist auch Anselm Bilgri, Managementberater und früherer Leiter des Klosters Andechs, überzeugt. "Unsere Wirtschaft ist ja überwiegend vom Mittelstand geprägt, in dem die Mehrheit sich bemüht, gut zu führen", sagt er. "Aber das Bild in der Öffentlichkeit ist so einseitig geworden. Da stehen die Skandale im Vordergrund."


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